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Ver­si­on 2.0 · Stand: 27.07.2026

Die Heu­che­lei-Fal­le (auch Hypo­cri­sy Trap) bezeich­net die Situa­ti­on, in der eine Orga­ni­sa­ti­on in der Kri­se für Wer­te, Stan­dards oder Ver­hal­tens­wei­sen kri­ti­siert wird, die sie selbst öffent­lich pro­pa­giert, aber offen­sicht­lich nicht ein­hält. Der Scha­den ent­steht dabei weni­ger durch das Fehl­ver­hal­ten selbst als durch die Dis­kre­panz zwi­schen Anspruch und Wirk­lich­keit, die als Täu­schung emp­fun­den wird und mora­li­sche Empö­rung potenziert.

Einordnung

Wahr­ge­nom­me­ne Unter­neh­mens­heu­che­lei («cor­po­ra­te hypo­cri­sy») unter­gräbt nach­weis­lich Ein­stel­lun­gen und Ver­trau­en der Stake­hol­der stär­ker als das blos­se Ver­feh­len eines Stan­dards (Wag­ner, Lutz & Weitz, 2009). Klas­si­sche Kon­stel­la­tio­nen: Ein Unter­neh­men wirbt mit Nach­hal­tig­keit und wird bei Umwelt­ver­stös­sen ertappt (Green­wa­shing-Vor­wurf); eine Orga­ni­sa­ti­on betont Diver­si­tät, dis­kri­mi­niert aber intern; eine als ethisch posi­tio­nier­te Bank ist in Skan­da­le ver­wickelt. Die Fall­hö­he steigt mit der Inten­si­tät der vor­he­ri­gen Selbst­dar­stel­lung: Wer nie hohe ethi­sche Ansprü­che for­mu­liert hat, wird für das­sel­be Ver­ge­hen mil­der beur­teilt – die Fal­le bestraft para­do­xer­wei­se gera­de jene, die sich öffent­lich zu hohen Stan­dards bekannt haben. Der Heu­che­lei-Vor­wurf ist zudem ein typi­scher Trei­ber der Skan­da­li­sie­rung: Er ver­wan­delt eine Sach­kri­se in eine mora­li­sche Kri­se (→ Skan­dal; Coombs & Tach­ko­va, 2023).

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

Im KMK-Codier­sy­stem des nor­ma­ti­ven Framings wird der Heu­che­lei-Vor­wurf mit dem Code NORM_HYPO erfasst; in Kom­bi­na­ti­on mit hoher Wut-Inten­si­tät (EMO_WUT) gilt er als Eska­la­ti­ons­in­di­ka­tor. Für die Stra­te­gie­wahl bedeu­tet das: Recht­fer­ti­gen und Auf­wer­ten (Bol­ste­ring) sind bei akti­vem NOR­M_­HY­PO-Frame kon­tra­in­di­ziert, weil jeder Ver­weis auf die eige­nen Wer­te die Dis­kre­panz erneut ins Bild rückt. Trag­fä­hig sind das offe­ne Ein­ge­ste­hen der Dis­kre­panz und beleg­ba­re Kor­rek­tur­mass­nah­men. Prä­ven­tiv gilt: Orga­ni­sa­tio­nen soll­ten nur Wer­te kom­mu­ni­zie­ren, die struk­tu­rell ver­an­kert sind.

Literatur

Coombs, W. T., & Tach­ko­va, E. R. (2023). How emo­ti­ons can enhan­ce cri­sis com­mu­ni­ca­ti­on: Theo­ri­zing around moral outra­ge. Jour­nal of Public Rela­ti­ons Rese­arch, 35(1), 1–15. https://doi.org/10.1080/1062726X.2022.2062338
Wag­ner, T., Lutz, R. J., & Weitz, B. A. (2009). Cor­po­ra­te hypo­cri­sy: Over­co­ming the thre­at of incon­si­stent cor­po­ra­te social respon­si­bi­li­ty per­cep­ti­ons. Jour­nal of Mar­ke­ting, 73(6), 77–91. https://doi.org/10.1509/jmkg.73.6.77