Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
Die Verfügbarkeits-Heuristik (Availability Heuristic) ist eine kognitive Verzerrung: Menschen schätzen die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses danach ein, wie leicht ihnen Beispiele dafür einfallen (Tversky & Kahneman, 1973). Kürzlich geschehene, emotional aufgeladene oder medial präsente Ereignisse gelten als häufiger und wahrscheinlicher – nach einem medienpräsenten Flugzeugabsturz steigt die gefühlte Absturzgefahr, obwohl die Statistik unverändert ist.
Bedeutung für die Krisenkommunikation
In Krisen speist sich die Risikowahrnehmung des Publikums aus dem medial Verfügbaren, nicht aus objektiven Daten – mit der Folge übertriebener Reaktionen oder falscher Prioritäten. Gegenmittel: objektive Einordnung (Statistiken, historische Vergleiche), Balance zwischen emotionalen Beispielen und Daten, konsistente Wiederholung der Kerninformationen, Experteneinbezug.
Bedeutung im KMK-System
Die Verfügbarkeits-Heuristik erklärt, warum Medienpräsenz selbst zum Krisenfaktor wird: Intensität und Dauer der Berichterstattung (SCHNUFFI-Kennzahlen) erhöhen die wahrgenommene Schwere unabhängig vom Sachverhalt. Sie begründet zudem den Velcro-Effekt der Krisenhistorie – frühere Krisen sind «verfügbar» und verstärken die aktuelle Zuschreibung (ADAM: Krisengeschichte).
Literatur
Tversky, A., & Kahneman, D. (1973). Availability: A heuristic for judging frequency and probability. Cognitive Psychology, 5(2), 207–232.