Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
«If men define situations as real, they are real in their consequences.» – Das Thomas-Theorem besagt, dass für das Handeln von Personen nicht die objektiven Bedingungen einer Situation bestimmend sind, sondern deren Definition durch die Handelnden.

Einordnung
Die sozialpsychologische These zielt auf die Differenz zwischen subjektiver Wirklichkeit und objektiver Realität: Jedes Handeln hat reale Konsequenzen, wie irreal die zugrunde liegende Situationsdeutung auch war. Entscheidend ist, wie Menschen die Situation als wirklich definieren – wobei diese Definitionen sozial und kulturell mitgeprägt sind und erst durch Interpretations- und Konstruktionsleistungen der Akteure entstehen (Stangl, 2021).
Bedeutung im KMK-System
Das Theorem ist die sozialtheoretische Kurzformel des gesamten KMK-Ansatzes: Nicht das Problem, sondern seine Deutung als Missstand treibt die Krise (Krisenverlaufskarte, Ebenen 2–3); nicht die tatsächliche, sondern die zugeschriebene Verantwortung bestimmt den Reputationsschaden (SCCT). Auch objektiv falsche Deutungen – Gerüchte, Fake News – erzeugen reales Folgeverhalten und verlangen deshalb kommunikative Antwort.
Weiterführend
Videobeitrag zum Thomas-Theorem
Literatur
Stangl, W. (2021). Thomas-Theorem. Online-Lexikon für Psychologie und Pädagogik. https://lexikon.stangl.eu/19464/thomas-theorem