Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
Der Priming-Effekt beschreibt, dass die Exposition gegenüber einem Reiz die Reaktion auf einen späteren Reiz beeinflusst, ohne dass dies bewusst sein muss. Beim semantischen Priming erleichtert ein Wort («Arzt») die Verarbeitung verwandter Begriffe («Krankenschwester»): Der Prime schafft einen Kontext, der die weitere Verarbeitung bahnt.
Einordnung
Wie das Framing geht das Konzept vom Gedächtnis als assoziativem Netzwerk aus: «Fasst man das menschliche Gedächtnis als ein assoziatives Netzwerk auf, in welchem Ideen, Konzepte etc. als Knoten gespeichert und über semantische Felder verknüpft sind, dann kann Priming als Aktivierung solcher Knoten durch externe Stimuli verstanden werden. Ein so aktivierter Knoten dient als Filter, interpretativer Rahmen oder Prämisse für die weitere Informationsverarbeitung und Urteilsbildung.» (Schenk, 2007, S. 305)
Bedeutung im KMK-System
Priming ist der Mikro-Mechanismus des Framings: Wortwahl und Bildwahl aktivieren die Deutungsknoten, bevor argumentiert wird (→ Framing, → Wortwahl und Stilmittel, → Konnotationen). Für die Analyse heisst das: Schon die Begriffswahl der Berichterstattung («Skandal», «Panne», «Angriff») primt die Verantwortungszuschreibung – ein zentraler Indikator der FRAMI-Codierung.
Literatur
Schenk, M. (2007). Medienwirkungsforschung (3. Aufl.). Mohr Siebeck.