Version 2.1 · Stand: 21.09.2026
Der Outcome Bias (Ergebnisverzerrung) ist die Tendenz, Entscheidungen nach ihrem Ergebnis zu bewerten statt nach der Qualität des Entscheidungsprozesses: Eine riskante Wette, die aufgeht, gilt als kluge Entscheidung; eine solide begründete Massnahme mit schlechtem Ausgang als Fehler (Baron & Hershey, 1988).
Bedeutung für die Krisenkommunikation
In Krisen werden Führungsentscheide öffentlich fast ausschliesslich am Ausgang gemessen – gut begründete Entscheidungen unter Unsicherheit ernten ungerechte Kritik, riskante Glückstreffer unverdientes Lob. Gegenmittel sind Prozesskommunikation (Entscheidungsgrundlagen offenlegen: was wir wussten, was wir abwogen), Erwartungsmanagement (Unsicherheiten und Risiken transparent machen) und demonstrierte Lernbereitschaft.
Bedeutung im KMK-System
Der Outcome Bias verschärft die Doppelkrisen-Gefahr: Auch korrektes Krisenmanagement wird bei schlechtem Ausgang als Versagen gerahmt (NORM_DOUBLE). Die transparente Prozesskommunikation der Wenn-Dann-Regeln («was wir wissen / prüfen / wann wir informieren») ist die präventive Antwort – sie verankert die Prozessqualität im Diskurs, bevor das Ergebnis feststeht.
Die hier beschriebene Gefahr betrifft die sekundäre Form der Doppelkrise: Beurteilt wird die Kommunikation, weil das Ergebnis schlecht ausfiel, nicht weil eine Aussage selbst den Anstoss gegeben hätte. Der Eintrag zur Doppelkrise unterscheidet die beiden Formen und begründet, weshalb bei der sekundären die Reparatur des Kommunikationsprozesses die richtige Antwort ist.
Literatur
Baron, J., & Hershey, J. C. (1988). Outcome bias in decision evaluation. Journal of Personality and Social Psychology, 54(4), 569–579.