Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
Unter einem Normalisierungsprozess versteht man den allmählichen Übergang, in dem ein zuvor als krisenhaft wahrgenommener Zustand infolge habitueller Anpassung und schrittweiser Verschiebung der Wahrnehmungs- und Bewertungsmassstäbe zunehmend als normal akzeptiert wird. Der Prozess verläuft individuell (Gewöhnung, Dissonanzreduktion) wie kollektiv (gesellschaftliche Diskurse, Medienroutinen, politische Kommunikation): Der Ausnahmezustand verliert seinen Ausnahmecharakter und wird Alltag.
Bedeutung im KMK-System
Der Normalisierungsprozess ist das Gegenstück zur Skandalisierung: Er beendet Krisen diskursiv, ohne dass das Problem gelöst sein muss. Für die Analyse markiert er das Abklingen des Medienechos (SCHNUFFI-Zeitraum); strategisch kann Normalisierung Ziel (Deeskalation) oder Risiko (unbearbeitete Ursachen, Wiederholungsgefahr mit Velcro-Effekt) sein.
Literatur
Beck, U. (1986). Risikogesellschaft. Suhrkamp.
Berger, P. L., & Luckmann, T. (1966). The social construction of reality. Anchor.
Boin, A., et al. (2017). The politics of crisis management (2. Aufl.). Cambridge University Press.
Furedi, F. (2007). Culture of fear. Continuum.
Zerubavel, E. (1991). The fine line. University of Chicago Press.