Version 2.0 · Stand: 17.07.2026 · Mustereintrag der überarbeiteten Enzyklopädie
Die Attributionstheorie beschreibt, wie Menschen beobachtetem Verhalten und Ereignissen Ursachen zuschreiben. Grundlegend ist die Unterscheidung zwischen internen Ursachen (Eigenschaften, Fähigkeiten, Absichten einer Person oder Organisation) und externen Ursachen (situative Umstände ausserhalb des Akteurs) (Heider, 1958).
Einordnung
Die von Fritz Heider begründete und von Bernard Weiner ausdifferenzierte sozialpsychologische Theorie unterscheidet neben dem Ursachenort (Lokus: intern/extern) zwei weitere Dimensionen: die Stabilität der Ursache (dauerhaft oder einmalig) und ihre Kontrollierbarkeit (beeinflussbar oder nicht) (Weiner, 1986). Je stärker eine Ursache als intern, stabil und kontrollierbar wahrgenommen wird, desto stärker fällt die Verantwortungszuschreibung aus – und desto schärfer die emotionale Reaktion des Publikums.
Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)
Die Attributionstheorie ist das theoretische Fundament der Situational Crisis Communication Theory (SCCT): Coombs begründet damit, weshalb Stakeholder in Krisen nach Verantwortlichen suchen und weshalb die zugeschriebene Verantwortung – nicht die tatsächliche – über den Reputationsschaden entscheidet (Coombs, 2007). Schwarz (2008) erweitert diesen Ansatz um kovariationsbasierte Ursachenzuschreibungen. Im KMK-System wirkt die Attributionslogik an drei Stellen: Sie erklärt die journalistische Suche nach Schuldigen (deskriptive und normative Frames), sie strukturiert die SCCT-Cluster im Codiersystem deskriptives Framing (Victim/Accidental/Preventable), und sie begründet die Wenn-Dann-Regeln der Strategiewahl, nach denen bei hoher Verantwortungszuschreibung nur Rebuild-Strategien tragfähig sind.
Literatur
Coombs, W. T. (2007). Attribution Theory as a guide for post-crisis communication research. Public Relations Review, 33(2), 135–139. https://doi.org/10.1016/j.pubrev.2006.11.016
Heider, F. (1958). The psychology of interpersonal relations. Wiley.
Schwarz, A. (2008). Covariation-based causal attributions during organizational crises: Suggestions for extending Situational Crisis Communication Theory (SCCT). International Journal of Strategic Communication, 2(1), 31–53. https://doi.org/10.1080/15531180701816601
Weiner, B. (1986). An attributional theory of motivation and emotion. Springer.