A B C D E F G H I J K L M N O P R S T Ü V W X Z
Wa We Wo

Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

Kri­sen wer­den nicht wert­neu­tral dar­ge­stellt, ver­mit­telt und wahr­ge­nom­men. Neben der Akzen­tu­ie­rung von Aspek­ten und Rol­len­zu­wei­sun­gen stützt sich das Framing auf sprach­li­che Instru­men­te: Wort­wahl, rhe­to­ri­sche Stil­mit­tel und Bild­spra­che, die wer­ten, emo­tio­na­li­sie­ren und Deu­tungs­mu­ster aktivieren.

Sprachliche Mittel des Framings

  • Wort­wahl: Begrif­fe mit posi­ti­ver oder nega­ti­ver Kon­no­ta­ti­on len­ken die Sicht («Her­aus­for­de­rung» statt «Kata­stro­phe», «Chan­cen» statt «Risi­ken»).
  • Emo­tio­na­li­sie­rung: gefühls­auf­ge­la­de­ne Wör­ter wecken Angst, Empö­rung, Mit­ge­fühl oder Hoff­nung («Tra­gö­die», «Desa­ster», «Skan­dal»).
  • Meta­phern und Ana­lo­gien: ver­ein­fa­chen Kom­ple­xes («das Schiff wie­der auf Kurs brin­gen», «in eine tie­fe Schlucht gestürzt»).
  • Per­so­na­li­sie­rung: indi­vi­du­el­le Schick­sa­le schaf­fen emo­tio­na­le Nähe und Iden­ti­fi­ka­ti­on.
  • Per­spek­ti­vi­sches Erzäh­len und Per­spek­ti­ven­wech­sel: Sicht­wei­se der Repor­ta­ge; Umdeu­tung der Kri­se als Chance.
  • Hyper­beln: Über­trei­bun­gen beto­nen die Schwe­re («hat die Welt zum Still­stand gebracht»).
  • Exper­ten­mei­nun­gen und Zita­te: stär­ken Ver­trau­en und Glaub­wür­dig­keit der Botschaft.
  • Rhe­to­ri­sche Fra­gen: fokus­sie­ren die Auf­merk­sam­keit und len­ken die Gedanken.
  • Wie­der­ho­lung und Slo­gans: ver­stär­ken die zen­tra­le Botschaft.
  • Iro­nie: betont die Dis­kre­panz zwi­schen Erwar­tung und Realität.
  • Visua­li­sie­rung: bild­haf­te Spra­che macht die Kri­se erlebbar.

Skandalisierende Sprachmuster nach Kepplinger

Bei der Skan­da­li­sie­rung wir­ken spe­zi­fi­sche Wort- und Bild­mu­ster (Kepp­lin­ger, 2018, S. 66 f.):

  • Hor­ror-Eti­ket­ten: extre­me Begrif­fe über­zeich­nen den Miss­stand («Wald­ster­ben», «Kil­ler­bak­te­ri­en»).
  • Ver­bre­chens-Asso­zia­tio­nen: Fehl­ver­hal­ten wird als Kri­mi­na­li­tät dekla­riert («Ver­fas­sungs­bruch», «Was­ser­dieb­stahl»).
  • Schmä­hun­gen: («Ekel-Bäcker», «Protz­bi­schof»).
  • Kata­stro­phen-Sug­ge­stio­nen: mög­li­che Maxi­mal­schä­den erschei­nen als aktu­el­le Gefahr, die Ein­tre­tens­wahr­schein­lich­keit wird aus­ge­blen­det (BSE, Vogelgrippe).
  • Kata­stro­phen-Col­la­gen: Miss­stän­de wer­den in eine Kata­stro­phen­rei­he gestellt.
  • Seri­el­le Skan­da­li­sie­rung: klei­ne­re Fehl­hand­lun­gen erschei­nen als Teil einer Serie von Normbrüchen.
  • Opti­sche Über­trei­bun­gen: Fotos und Vide­os dra­ma­ti­sie­ren Missstände.

Bedeutung im KMK-System

Die­se Sprach­mu­ster sind die Indi­ka­to­ren des Codier­sy­stems emo­tio­na­le Rah­mung: Sie zei­gen an, wel­che Emo­tio­nen ein Text weckt und mit wel­cher Inten­si­tät (Codie­rung 1–5). In der FRAMI-Ana­ly­se signa­li­sie­ren Häu­fung und Schär­fe skan­da­li­sie­ren­der Muster die Eska­la­ti­on vom Miss­stand zum Skan­dal (Scan­sis) – ein zen­tra­ler Mar­ker für den Stra­te­gie­wech­sel Rich­tung Rebuild.

Literatur

Kepp­lin­ger, H. M. (2018). [Titel in Zote­ro präzisieren]