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Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

Pro­ble­ma­ti­sche Zustän­de ent­ste­hen auf der genui­nen Ebe­ne der Kri­sen­ver­laufs­kar­te durch Ket­ten von Nega­ti­v­e­reig­nis­sen, beab­sich­tig­ten (Fehl-)Handlungen oder unbe­ab­sich­tig­tem Fehl­ver­hal­ten – mit nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf Sach­wer­te, Umwelt oder Men­schen. Auf der media­len Ebe­ne wird ein sol­cher Miss­stand durch Her­vor­he­bung oder Weg­las­sung ein­zel­ner Aspek­te dar­ge­stellt: Je nach Akzen­tu­ie­rung erscheint die­sel­be Kri­se als Unfall, Skan­dal oder Drama.

Abbildung 1: Aspekte eines problematischen Zustands entlang der Dimensionen Ursache–Auswirkung und sach-–personenbezogen
Abbil­dung 1: Aspek­te eines pro­ble­ma­ti­schen Zustands ent­lang der Dimen­sio­nen Ursache–Auswirkung und sach-–personenbezogen

Die Deutungsmuster im Schema

Das Sche­ma geht vom Miss­stand (Mit­te) aus und ord­net die Deu­tungs­mu­ster ent­lang zwei­er Dimen­sio­nen (Ursache–Auswirkungen auf der x‑Achse, sach-/ereignisbezogen–personen-/handlungsbezogen auf der y‑Achse):

  • Skan­dal / Skan­da­li­sie­rung (links unten; Ver­ant­wort­lich­keits­frame nach Schenk, 2007): the­ma­ti­siert Fehl­ver­hal­ten als Ursa­che. Ent­schei­dend ist, wer ver­ant­wort­lich gemacht wird – das Unter­neh­men, ein Mit­ar­bei­ter, Exter­ne? Skan­da­li­sie­rung schürt Wut, Ent­rü­stung und Enttäuschung.
  • Dra­ma / Dra­ma­ti­sie­rung (rechts unten): akzen­tu­iert mensch­li­ches Leid; weckt Trau­er und ver­langt sicht­ba­re Empa­thie (→ Dra­ma­ti­sie­rung).
  • Pro­ble­ma­ti­sie­rung (Mit­te): The­ma­ti­sie­rung des Miss­stands als solchem.
  • Mate­ri­el­le Ursa­chen (links oben): Pro­dukt­män­gel, tech­ni­sches Versagen.
  • Sach- und Umwelt­schä­den (rechts oben): Fol­gen des Problems.

Eine Son­der­stel­lung hat der Kon­flikt: Wer­den zwei Posi­tio­nen neu­tral dar­ge­stellt, bleibt er in der Schwe­be; ver­schiebt sich die Per­spek­ti­ve, wird der eine Kon­tra­hent zum Opfer, der ande­re zum Sün­den­bock. Mit der Ten­denz zum Sto­ry­tel­ling nimmt die Dar­stel­lung von Miss­stän­den als Skan­da­le oder Dra­men zu – die Zuschrei­bung von Ursa­che und Wir­kung ent­spricht einem mensch­li­chen Grund­be­dürf­nis (Schwarz, 2008, S. 60).

Die Krisenrolle des Unternehmens: verantwortlich oder Opfer?

Die Akzen­tu­ie­rung hängt eng mit der Rol­len­zu­schrei­bung zusam­men: «Je nach Ergeb­nis die­ser nai­ven Kau­sal­ana­ly­se gelan­gen sie [die Bezugs­grup­pen] zur Ein­schät­zung des Gra­des von Ver­ant­wort­lich­keit für die Kri­se, den sie einer invol­vier­ten Orga­ni­sa­ti­on zuschrei­ben.» (Schwarz, 2008, S. 62) Je stär­ker das Unter­neh­men mit der Ver­ant­wor­tungs­rol­le ver­bun­den wird, desto grös­ser das Risi­ko von Repu­ta­ti­ons­ver­lust und nega­ti­vem Fol­ge­ver­hal­ten (Coombs). Wird es dage­gen als Opfer wahr­ge­nom­men, dro­hen kei­ne unmit­tel­ba­ren Repu­ta­ti­ons­fol­gen. Auf die­ser Rol­len­zu­tei­lung baut Coombs’ Typo­lo­gie der Opfer‑, Unfall- und ver­meid­ba­ren Kri­se auf (→ SCCT).

Bedeutung im KMK-System

Die­ses Sche­ma ist die theo­re­ti­sche Grund­la­ge des Codier­sy­stems deskrip­ti­ves Framing: Des­sen Codes (Ursa­che intern/extern, Sach­scha­den, Fehl­ver­hal­ten, Opfer­fo­kus, Kon­flikt, Lösungs­ori­en­tie­rung) ope­ra­tio­na­li­sie­ren die hier beschrie­be­nen Deu­tungs­mu­ster; die SCCT-Clu­ster-Codes ver­knüp­fen sie mit der Ver­ant­wor­tungs­zu­schrei­bung für die Stra­te­gie­wahl im EVI-Modul.

Literatur

Kepp­lin­ger, H. M. (2018). [Titel in Zote­ro prä­zi­sie­ren]
Schenk, M. (2007). Medi­en­wir­kungs­for­schung (3. Aufl.). Mohr Sie­beck.
Schwarz, A. (2008). Cova­ria­ti­on-based cau­sal attri­bu­ti­ons during orga­nizatio­nal cri­ses. Inter­na­tio­nal Jour­nal of Stra­te­gic Com­mu­ni­ca­ti­on, 2(1), 31–53. https://doi.org/10.1080/15531180701816601