Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
Der Medien- oder Pressesprecher ist eine Rolle, die eine oder mehrere Personen im Unternehmen innehaben. In der Krise ist der Sprecher als Repräsentant des Unternehmens eine Schlüsselfigur: Die Öffentlichkeit identifiziert ihn mit dem Unternehmen (Identifikationsfigur, Sympathieträger).
Anforderungen in der Krise
Bei grösseren publizistisch-öffentlichen Krisen wirkt die Persönlichkeit des Sprechers über Radio, Fernsehen und Online-Video unmittelbar auf die Wahrnehmung des Unternehmens. In grossen Krisen sollte der CEO oder ein Verwaltungsratsmitglied auftreten – die Medien erwarten es, und der Auftritt der Leitung erhöht die Glaubwürdigkeit der Aussagen. Entscheidend in Krisen voller Ungewissheit und Emotionen ist die Ausstrahlung: Die Person muss vertrauenswürdig und sympathisch wirken und Empathie vermitteln können (→ Sympathie, → Empathievermittlung). Studien bestätigen, dass Sprecher, die Mitgefühl für die Betroffenen zeigen, den Reputationsschaden verringern (Coombs & Holladay, 1996; Dean, 2004). Externe Krisen- oder Kommunikationsberater sollten nie als Sprecher auftreten; bei fachtechnischen Fragen empfiehlt sich der Beizug eines Fachspezialisten.
Die Rolle des Sprechers in Erpressungsfällen
In Androhungs- und Erpressungsfällen verhandelt der Kommunikator nach dem Erstkontakt mit dem Erpresser über Forderungen und Bedingungen. Gefragt sind: Begabung im Umgang mit Menschen, rhetorisches Geschick, Zuverlässigkeit unter Druck, ruhiges und bestimmtes Auftreten, schnelle Auffassungsgabe, Geduld, Diskretion, Vertrautheit mit der regionalen Kultur sowie Loyalität. Zu empfehlen ist der Beizug einer spezialisierten Agentur.
Bedeutung im KMK-System
Die Sprecherwahl ist eine Kernregel des EVI-Moduls (hohe Fallhöhe → CEO als Sprecher; fachlich komplex → Fachexperte); im Codiersystem Kommunikationsrollen wird der Sprecherauftritt als COMM_INST_SPRECHER codiert – mit institutioneller Autorität als Glaubwürdigkeitsbasis.
Literatur
Coombs, W. T., & Holladay, S. J. (1996). Communication and attributions in a crisis: An experimental study in crisis communication. Journal of Public Relations Research, 8(4), 279–295. [in Zotero nachzutragen]
Dean, D. H. (2004). Consumer reaction to negative publicity. Journal of Business Communication, 41(2), 192–211. [in Zotero nachzutragen]