Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
Krisen lassen sich nach verschiedenen Kriterien typologisieren: pragmatisch nach Krisenfamilien, nach dem zeitlichen Verlauf des Medienechos oder – analytisch am ertragreichsten – nach der Verantwortungszuschreibung (Coombs).
Klassische Typologie: Krisenfamilien
Die in der Praxis verbreiteten Krisenfamilien (nach Mitroff & Pearson, ergänzt): wirtschaftliche Probleme (Streiks, Kursverluste, Konjunktur) · Informationsangriffe (Datenverlust, Falschinformation, Shitstorms) · Anschläge, Raub, Erpressung (Hackerangriffe, Produkterpressung) · normale Störfälle (Produktfehler, Anlagenstörungen) · schwerwiegende Unglücke (Reaktorunfälle, Todesfälle) · Produktmängel (Lebensmittelverunreinigungen) · Personalkrisen (Verlust von Schlüsselpersonen, Mobbing, Streiks) · Reputationskrisen (Gerüchte, üble Nachrede) · psychopathische Krisen (Sabotage, Entführung, Gewalt) · Naturkatastrophen. Die Einteilung ist nicht trennscharf, aber praxisnah.
Typen nach zeitlichem Verlauf
Nach der Entwicklung des Medienechos unterscheidet man plötzliche (akute), periodische und schleichende Krisen (→ Krisenverlauf).

Typologie nach Coombs
Coombs typologisiert nach Krisenursachen entlang der Dimensionen intern–extern und beabsichtigt–unbeabsichtigt (Coombs, 1995, S. 455). Daraus ergeben sich die verantwortungsbasierten Cluster der SCCT (Victim, Accidental, Preventable), die direkt mit den Botschaftsstrategien verknüpft sind (→ SCCT).
Bedeutung im KMK-System
Das KMK-System arbeitet primär mit der Coombs-Typologie (SCCT-Cluster im Codiersystem deskriptives Framing), nutzt die Verlaufstypen für die SCHNUFFI-Zeitraumwahl und die Krisenfamilien als heuristisches Raster der ADAM-Kontextanalyse.
Literatur
Coombs, W. T. (1995). Choosing the right words. Management Communication Quarterly, 8(4), 447–476. https://doi.org/10.1177/0893318995008004003
Mitroff, I. I., & Pearson, C. M. [Jahr in Zotero präzisieren]. Krisenfamilien-Typologie.