Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
Dieser Eintrag fasst die Strategien und Verhaltensregeln beim Shitstorm zusammen (Begriff und Analyse: siehe Shitstorm). Die angemessene Reaktion hängt vom Thema des Sturms ab – deshalb zuerst diagnostizieren, dann reagieren.
Strategien nach Shitstorm-Typ
Ernst zu nehmen sind Shitstorms, die auf die Qualität von Produkten und Dienstleistungen zielen: Sie kommen aus der Kundschaft, und bei anhaltender Dauer sind Auswirkungen auf das Kaufverhalten zu befürchten. Geboten ist, auf der Bezugsebene zu prüfen, ob die Kritik gerechtfertigt ist, allenfalls Korrekturmassnahmen auf der Problemebene einzuleiten (siehe Krisenverlaufskarte), sich über die Kanäle des Shitstorms öffentlich zu entschuldigen (Kern der Wiederherstellungsstrategie nach Coombs) und die Behebung des Missstands zu belegen. Dasselbe gilt für Stürme über ethisch-moralisches Fehlverhalten (Beispiel Mammut), die auf die Reputation durchschlagen können.
Bei Shitstorms, die – meist mit Humor, Ironie oder Sarkasmus – auf Fehlhandlungen von Marketing und Kommunikation zielen, haben sich zwei Verhaltensweisen bewährt: Variante 1: vorerst nicht reagieren, in der Erwartung raschen Abklingens; Variante 2: aus der Defensive auf derselben Stilebene eine Gegenkampagne starten.
Von Zensur- und Löschaktionen rät die Fachliteratur ab – sie heizen den Sturm zusätzlich an (Streisand-Effekt). Ebenso wenig eignet sich nach Coombs (2007, S. 78 ff.) die «No Comment»-Strategie: Schweigen wird schnell als Schuldeingeständnis gewertet.
Konkrete Tipps zur Bewältigung
- Zeitgerecht, transparent und ehrlich reagieren – über denselben Kanal
- Interne Kommunikation und Kultur (Informationssystem) pflegen
- Faktenbasiert informieren und argumentieren; den Dialog suchen
- Keine Zensur, keine Panik
- Fragen individuell beantworten; moderieren, nicht diskutieren
Konkrete Empfehlungen am Beispiel des Migros-Falls «Mohrenköpfe» gibt Katarina Stanoevska (Universität St. Gallen) im Gespräch mit SRF (SRF, 21. Juni 2020). Siehe auch den Fall Domino’s Pizza.
Bedeutung im KMK-System
Diese Grundsätze sind die shitstorm-spezifische Anwendung der Wenn-Dann-Regeln: Wenn Produktqualität oder Normbruch das Thema ist, dann Korrektur plus Entschuldigung (Rebuild); wenn Kommunikationspannen verspottet werden, dann Abwarten oder humorvolle Gegenrede – nie aber Zensur oder «No Comment». EVI prüft eingehende Shitstorm-Lagen zuerst auf den Typ und wählt danach die Botschaftsstrategie.
Literatur
Coombs, W. T. (2007). Ongoing crisis communication: Planning, managing, and responding (2. Aufl.). SAGE.
Stoffels, H., & Bernskötter, P. (2012). Die Goliath-Falle: Die neuen Spielregeln für die Krisenkommunikation im Social Web. Springer Gabler.