Krisenmanagement und -kommunikation

Drs. A. Grynko & O. Baeriswyl


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Botschaftsstrategien: tabellarische Uebersicht

Ver­si­on 3.1 · Stand: 14.08.2026

Die tabel­la­ri­sche Über­sicht der Bot­schafts­stra­te­gien führt das Stra­te­gie­re­per­toire des KMK-Systems an einer Stel­le zusam­men: neun­und­drei­ßig Stra­te­gien, jede mit Kurz­de­fi­ni­ti­on, Bei­spiel­for­mu­lie­rung und Kodier­re­gel, wo vor­han­den ergänzt um die Zuord­nung zur Situa­tio­nal Cri­sis Com­mu­ni­ca­ti­on Theo­ry (SCCT) und, wo vor­han­den, um den Ver­weis auf den aus­führ­li­chen Enzy­klo­pä­die-Ein­trag. Sie ist damit zwei­er­lei zugleich: Codier­set für die Inhalts­ana­ly­se und Reper­toire für die Stra­te­gie­ent­wick­lung. Die­ser Ein­trag fasst ihren Auf­bau zusam­men; die Tabel­le selbst wird als Res­sour­ce des Ana­ly­se­sy­stems geführt (sie­he unten).

Aufbau der Übersicht

Jede Zei­le beschreibt eine Stra­te­gie in acht Spal­ten: Stra­te­gie-Kate­go­rie und Stra­te­gie-Code des KMK-Systems, die ent­spre­chen­de SCCT-Stra­te­gie mit ihrem Clu­ster, ein Memo als Kurz­de­fi­ni­ti­on, eine Bei­spiel­for­mu­lie­rung, die Codier­re­gel und der Link auf den Enzyklopädie-Eintrag.

Der Auf­bau spie­gelt die dop­pel­te Ver­wen­dung. Memo, Bei­spiel und Kodier­re­gel rich­ten sich an die Codie­re­rin, die eine Äus­se­rung im Kor­pus einer Stra­te­gie zuord­nen muss; SCCT-Stra­te­gie und Clu­ster rich­ten sich an die Stra­te­gie­ent­wick­lung, die von der Lage her fragt, wel­che Stra­te­gie zur zuge­schrie­be­nen Ver­ant­wort­lich­keit passt.

Die Gruppen

Grup­peAnzahlLeit­fra­ge
Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie8Wie stellt sich die Orga­ni­sa­ti­on über­haupt zur Öffent­lich­keit – von pro­ak­ti­ver Kom­mu­ni­ka­ti­on über Réduit und Ablen­kung bis zu No Comment?
Sofort­kom­mu­ni­ka­ti­on nach Krisenausbruch5Was ist in den ersten Stun­den geschul­det – Betrof­fen­heit, über­prüf­ba­re Fak­ten, Ver­hal­tens­emp­feh­lun­gen, Kon­takt­an­ge­bo­te, Transparenz?
Deskrip­ti­ves Framing9Wie wer­den Ursa­che und Scha­den dar­ge­stellt – ver­leug­net, rela­ti­viert, extern zuge­schrie­ben, als Unfall oder als inter­nes Fehlverhalten?
Nor­ma­ti­ves Framing8Wie wird die Ver­ant­wor­tungs­fra­ge beant­wor­tet – Schuld­ab­wehr, Mit­schuld, Knie­fall, Schuld­um­kehr, Abklä­rungs­gre­mi­um, Wiedergutmachung?
Emo­tio­na­le Kommunikation6Wel­che Emo­ti­on wird aus­ge­drückt – Unsi­cher­heit, Empa­thie, Schock, Empö­rung, Besänf­ti­gung, Hoffnung?
Kon­text­be­zo­gen2Wie wird das Umfeld der Bot­schaft bear­bei­tet – Glaub­wür­dig­keit der Gegen­sei­te unter­gra­ben, auf ver­gan­ge­ne gute Taten hinweisen?

Die Grup­pie­rung folgt der Syste­ma­tik von Band 5 des Hand­buchs. Bemer­kens­wert ist, dass die drei Framing-Ach­sen des KMK-Code­buchs – deskrip­tiv, nor­ma­tiv, emo­tio­nal – auf der Stra­te­gie­sei­te unmit­tel­bar wie­der­keh­ren: Was FRAMI im Medi­en­dis­kurs misst, ist die­sel­be Grös­se, die EVI auf der Sen­der­sei­te gestal­tet. Die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie und die Sofort­kom­mu­ni­ka­ti­on lie­gen quer dazu; sie betref­fen Hal­tung und Zeit­punkt, nicht den Inhalt der Rahmung.

Verhältnis zur SCCT

Die Clu­ster­spal­te stellt die Ver­bin­dung zu Coombs her und ist für jede der neun­und­drei­ßig Stra­te­gien besetzt. Sie führt vier SCCT-Clu­ster – deny, dimi­nish, rebuild, bol­ste­ring – und zwei Wer­te, die aus­ser­halb der Clu­ster­lo­gik lie­gen: Basis­re­ak­ti­on für die Stra­te­gien, die bei Coombs zu ins­truc­ting und adju­sting infor­ma­ti­on gehö­ren und in jeder Kri­se unab­hän­gig vom Kri­sen­typ geschul­det sind, und kein SCCT-Clu­ster für Stra­te­gien, die in der SCCT kei­ne Ent­spre­chung haben – die kom­mu­ni­ka­ti­ve Grund­hal­tung (pro­ak­tiv, zurück­hal­tend, Réduit, No Com­ment) und den gröss­ten Teil der emo­tio­na­len Rahmung.

Die ein­zel­ne SCCT-Stra­te­gie ist dem­ge­gen­über nur dort benannt, wo Coombs sie als eige­ne Stra­te­gie führt: Deni­al, Attack the Accu­ser, Scape­goa­ting, Excu­se, Justi­fi­ca­ti­on, Apo­lo­gy, Com­pen­sa­ti­on, Remin­ding, Vic­ti­mage. Ein eige­ner Kri­sen­typ wird nicht mehr geführt: Er war in jeder besetz­ten Zei­le eine stren­ge Funk­ti­on des Clu­sters und trug kei­ne zusätz­li­che Information.

Wel­che Stra­te­gie in einer kon­kre­ten Lage ange­zeigt ist, ent­schei­det nicht die Tabel­le. Sie hält das Reper­toire bereit; die Aus­wahl­re­geln lie­fern die SCCT und das Wenn-Dann-Regel­werk des KMK-Systems, das die Lage­merk­ma­le – Ver­ant­wort­lich­keits­zu­schrei­bung, Kri­sen­hi­sto­rie, Bezie­hungs­ge­schich­te – mit den Stra­te­gie­fa­mi­li­en ver­knüpft. Die Arbeits­tei­lung ist dabei genau: Das Regel­werk führt von der Zuschrei­bung zum Clu­ster, die Tabel­le vom Clu­ster zur aus­for­mu­lier­ten Stra­te­gie. Die Clu­ster­spal­te ist die Fuge zwi­schen beiden.

Verwendung im Analysesystem

  • FRAMI nutzt Memo, Bei­spiel und Kodier­re­gel als Codier­set, um Stra­te­gien der Orga­ni­sa­ti­on im Medi­en­dis­kurs zu identifizieren.
  • EVI nutzt Stra­te­gie-Code und SCCT-Zuord­nung als Reper­toire, um aus dem Befund eine Emp­feh­lung abzuleiten.

Die Tren­nung ist metho­disch wesent­lich: Die­sel­be Liste dient ein­mal der Beschrei­bung des Ist-Zustands und ein­mal der Ablei­tung des Soll-Zustands. Befund und Emp­feh­lung sind in den Berich­ten getrennt zu füh­ren, auch wenn sie sich auf die­sel­be Syste­ma­tik stützen.

Massgebliche Fassung

Die­ser Ein­trag ist eine Zusam­men­fas­sung. Mass­geb­lich für die KMK-Ana­ly­sen ist die voll­stän­di­ge Tabel­le in der Res­sour­cen­fas­sung des Ana­ly­se­sy­stems: Bot­schafts­stra­te­gien – tabel­la­ri­sche Über­sicht. Dort wird die Über­sicht gepflegt und lau­fend mit den Enzy­klo­pä­die-Ein­trä­gen der ein­zel­nen Stra­te­gien ver­linkt. Bei Abwei­chun­gen gilt die Ressourcenfassung.

Ver­wand­te Ein­trä­ge: Bot­schafts­stra­te­gie · Attri­bu­ti­ons­theo­rie · Framing · Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on