(Quellen: Coombs, Baeriswyl, LMNotebook, ChatGPT)
Basis-Protokoll (gilt immer – Override-Logik)
- Instruktion vor Reputation
- Adjusting Information bei Opfern
- Mitarbeitende zuerst informieren
Präzisierung / Ergänzung
- Wenn Unsicherheit hoch UND Informationslage unvollständig ist,
→ dann transparente Prozesskommunikation („Was wir wissen / prüfen / wann wir wieder informieren“)
Begründung: Verhindert Gerüchtebildung und Frame-Vakuum. - Basis-Protokoll darf niemals durch juristische Vorsicht blockiert werden.
Juristische Risiken sind sekundär gegenüber Sicherheits- und Coping-Bedürfnissen.
➡️ Meta-Regel:
Kein späterer Reputationsgewinn kompensiert einen frühen Vertrauensverlust.
Bestimmte Strategien sind bei bestimmten Attributionslagen nicht nur „ungeeignet“, sondern kontraindiziert.
Wenn die Organisation eine mittlere oder hohe Verantwortlichkeit zugeschrieben bekommt (accidental oder preventable crisis), dann dürfen keine Deny-Strategien (Bestreiten, Schuldabwehr) eingesetzt werden,
da diese nachweislich zu Reputationsschäden und Reaktanz führen.
Verantwortungs-Attribution
(Basis: SCCT-Kern, ergänzt durch Frame-Sensitivität nach Baeriswyl)
Victim Cluster
Organisation = Opfer
Strategie
- Basis-Response ausreichend
- Bolstering erlaubt
- Gerüchte → Denial / Attack the Accuser
Ergänzung
- Wenn Medien trotzdem normativ moralisieren,
→ frühzeitig Frame-Korrektur („Warum wir nicht Verursacher sind“)
ohne aggressiven Ton
⚠️ Gefahr:
- Zu spätes Reframing → Opferrolle kippt
Accident Cluster
niedrige Verantwortung
Strategie
- Diminish (Justification / Excuse)
Präzisierung
- Excuse ≠ Schuldabwehr
- Betonung: fehlende Kontrolle, nicht fehlende Sorgfalt
Zusatzregel
- Wenn Emotion = Angst,
→ Diminish erst nach Instruktion & Sicherheitskommunikation
Preventable Cluster
hohe Verantwortung
Strategie
- Rebuild zwingend
- Apology = Verantwortung + Reue + Bitte um Vergebung
- Kompensation
Ergänzung
- Rebuild ohne strukturelle Massnahmen wirkt bei Wiederholung leer
Entschuldigung ohne Machtverlust = Risiko der Zynismus-Rezeption
Kontext-Intensivierer (Velcro-Effekt) – klarer Eskalationsmechanismus
Sehr starkes Regelwerk; explizite Logikt:
Eskalationsregel
Kontext schlägt Situation
- Negative History → Unfall wird preventable
- Schlechte Reputation → höhere Schuldannahme
- Human Error → Kompetenzvertrauen beschädigt
Ergänzung
- Mehrere Intensivierer kumulieren nicht linear, sondern exponentiell
→ ab 2 Intensivierern: kommunikative Notfalllogik
➡️ Tool-Regel:
Wenn Intensivierer ≥ 1 → Strategie mindestens eine Stufe höher
Wenn Intensivierer ≥ 2 → Rebuild + strukturelle Massnahmen prüfen
Emotion & Moral – Übergang von Krise zu Skandal
Hier liegt der größte theoretische Mehrwert deines Modells gegenüber klassischer SCCT.
Scansis / Moral Outrage
Krise = moralischer Skandal
Kernpunkt (sehr wichtig):
- Kommunikation allein kann die Krise nicht lösen
- Öffentlichkeit verlangt Sanktion, nicht Erklärung
Erweiterung
- Third-Party Punishment wirkt stärker als Selbstsanktion,
weil es moralische Objektivität signalisiert
⚠️ Gefahr:
- Kommunikationsaktivismus ohne reale Konsequenzen → Eskalation
Management Misconduct
Integritätsbruch
Präzisierung
- Integrität ≠ Kompetenz
- Integritätsverluste sind langfristig reputationsletal
➡️ Regel:
Ohne personelle Konsequenzen keine Re-Legitimierung möglich
Dominante Emotionen
- Wut → Rebuild zwingend
- Angst → Instruktion & Selbstwirksamkeit vor Image
Empörung → moralische Sprache notwendig (Werte, Normen)
Framing & Botschaftsgestaltung – operationalisiert
Dein Abschnitt ist vollständig, ich ergänze Übergangsregeln:
Katastrophen-Frame
- Empathie + Hilfeleistung
- Zahlen ohne Mitgefühl → Herzlosigkeits-Frame
Schuld-Frame
- Schweigen = Schuldeingeständnis
- Stealing Thunder sinnvoll
Ergänzung
- Frühe Selbstbelastung reduziert spätere moralische Eskalation
Ambige Verantwortung
- Bedauern ohne Schuldeingeständnis legitim
Aber (sehr wichtig):
- Diese Strategie ist zeitlich instabil
- Sobald Beweise auftauchen → sofortiger Strategiewechsel
➡️ Tool-Regel:
Ambig = reversible Strategie
Beweislast kippt → sofortiger Wechsel auf Rebuild
Absender & Kanäle – Quelle als Verstärker, nicht als Ersatz
Dein Abschnitt ist empirisch sauber. Ergänzung:
- Quelle verstärkt Botschaft – sie ersetzt sie nicht
- CEO nur dann sinnvoll, wenn:
- glaubwürdig
- empathisch
- medienkompetent
- glaubwürdig
Social Media / Shitstorm
- Kanalgleichheit zwingend
- Berechtigte Kritik → Entschuldigung
- Trolle → Humor oder Ignorieren
Präzisierung
- Humor nie bei Opfern oder moralischer Empörung
Zusätzliche Regeln
Emotionale Anschlusslogik (Coombs + Emotionen)
Du arbeitest stark mit Emotionen – sehr gut.
Was noch fehlt, ist eine systematische Verknüpfung von Emotion → Strategie.
Bei Coombs zentral:
- Wut → Rebuild
- Angst → Instructing + Adjusting
- Empörung → Entschuldigung / Kompensation
- Unsicherheit → Transparenz / Kontrolle
Ergänzung als Regel
Neue Regel B (Emotionale Anschlussregel):
Wenn dominante Emotionen in der Berichterstattung Angst oder Unsicherheit sind,
dann haben instruierende und anpassende Informationen Priorität vor reputationsbezogenen Botschaften.
Neue Regel C (Wut / Empörung):
Wenn dominante Emotionen Wut oder Empörung sind,
dann sind Rebuild-Strategien (Entschuldigung, Kompensation) wirksamer als Rechtfertigungen oder Relativierungen.
➡️ Das schliesst perfekt an deine Framing- und Emotionslogik an.
Sequenzregeln (zeitliche Dynamik)
Coombs denkt strategisch sequenziell, nicht nur punktuell.
Ergänzung als Meta-Regel
Neue Regel D (Sequenz):
Wenn sich eine Krise zeitlich entwickelt,
dann können Botschaftsstrategien sequenziell angepasst werden,
jedoch nur in Richtung höherer Verantwortungsübernahme – nicht umgekehrt.
👉 Bedeutet konkret:
- Deny → Diminish → Rebuild ja
- Rebuild → Deny nein
Das ist extrem praxisrelevant und passt hervorragend zu deinem Tool-Ansatz.
Trennung von Primär- und Sekundärstrategien
Ich würde dein Regelwerk architektonisch klarer machen, ohne Inhalte zu ändern.
Vorschlag
Explizite Trennung:
- Primäre Botschaftsstrategien
- Deny
- Diminish
- Rebuild
- Sekundäre (flankierende) Strategien
- Bolstering
- Reminder
- Ingratiation
Neue Regel E
Wenn eine primäre Strategie gewählt wurde,
dann dürfen sekundäre Strategien nur unterstützend eingesetzt werden und dürfen die primäre Verantwortungslogik nicht konterkarieren.