Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
Schuld bezeichnet die Zuschreibung eines Fehlverhaltens oder Versäumnisses an eine Person oder Gruppe, verbunden mit einem moralischen oder rechtlichen Urteil. Sie ist von der Verantwortlichkeit zu unterscheiden: Verantwortlichkeit ist die – auch proaktiv übernehmbare – Pflicht, für die Folgen des eigenen Handelns einzustehen; Schuld entsteht erst, wenn zugeschriebene Verantwortung mit einem Normbruch verknüpft wird (→ Verantwortlichkeit).
Einordnung
Während Verantwortlichkeit auf Lernen und Problemlösung zielen kann, ist Schuld retrospektiv und sanktionsorientiert: Wer schuldig gesprochen wird, soll büssen. Im Krisendiskurs wird Schuld häufig personalisiert und isoliert zugewiesen – die Sündenbock-Konstruktion blendet komplexere Ursachen und Mitverantwortliche aus und bündelt die moralische Empörung auf eine einzelne Instanz.

Bedeutung im KMK-System
Die Sündenbock-Konstruktion wird im Codiersystem Akteursrollen als ROLE_SUENDENBOCK codiert (isolierende Schuldzuweisung ohne Kontextualisierung – hohe Relevanz für die Diskursmacht-Analyse); die Schuld-Codes des normativen Framings erfassen, wem der Diskurs die Krise anlastet. Als Botschaftsstrategie ist die aktive Schuldzuweisung an interne oder externe Sündenböcke Teil des Deny-Clusters – mit den dort beschriebenen Risiken.