Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
Instanzen können im Krisenprozess auf den verschiedenen Ebenen unterschiedliche Rollen einnehmen – oder zugeschrieben erhalten. Beispiel Mitarbeiter: Auf der Problemebene wird er durch eine Fehlmanipulation zum Krisenverursacher, auf der medialen Ebene zum Augenzeugen; als Mitglied einer Pressure-Group verstärkt er die Krise oder löst als Einzelperson einen Shitstorm aus; auf der Verhaltensebene ist er Kunde oder Mitaktionär.
Drei Rollentypen
- Eigentliche Krisenrollen mit Fokus auf dem Unternehmen als Instanz: Verantwortlicher, Opfer (→ Krisenrollen, zugewiesene)
- Bezugsgruppenrollen, wenn ein Bezug zum Unternehmen ausgedrückt wird: Stakeholder, Dialogpartner, Zielgruppe
- Rollen im Kommunikationsprozess: Informationslieferant, Zeuge, Experte usw. (→ Rollen im Kommunikationsprozess)
Beispiel: Die Rolle des Kontrahenten
Der Kontrahent bezeichnet die Rolle einer Instanz (Individuum, Bezugsgruppe) als Widersacher oder Gegner in einem Konflikt. Kippt die neutrale Darstellung eines Konflikts, wird ein Kontrahent zum Opfer und der andere zum Sündenbock (→ Konflikt).
Bedeutung im KMK-System
Die Rollenanalyse ist das Herzstück der FRAMI-Akteursanalyse: Das Codiersystem Akteursrollen trennt deskriptive (ACTOR_), normative (ROLE_) und relationale (REL_) Rollen, das Codiersystem Kommunikationsrollen die Sprecherfunktionen (COMM_). Wer welche Rolle erhält – und wer über die Rollenvergabe entscheidet – ist eine Frage der Diskursmacht und damit der Deutungshoheit.