Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
Journalistische Medien sind Medien, deren primäre Funktion die Verbreitung von Nachrichten an ein Publikum ist – um zu informieren, zur Meinungsbildung und Entscheidungskompetenz beizutragen und zu unterhalten. Ihr Ursprung liegt in Druckmedien, Radio und TV; heute werden sie zunehmend online verbreitet, das Verbreitungsmittel ist kein bestimmendes Kriterium mehr.
Einordnung
Von anderen Medien – insbesondere den sozialen – heben sich journalistische Medien durch drei Merkmale ab:
- Redaktionen entscheiden nach Selektionskriterien (Nachrichtenwerten) über die Publikation – die Gatekeeper-Funktion.
- Redaktionen verantworten die journalistische Professionalität der Berichterstattung; journalistische Standards und Ehrenkodizes – zentral: objektive und wahrheitsgetreue Berichterstattung – begründen die Vertrauenswürdigkeit dieser Medien (fög, 2022).
- Im Vordergrund steht die einseitige Informationsvermittlung, nicht der Dialog – auch wenn das Publikum über Leserbriefe, Foren und Kommentarfunktionen reagieren kann. Inhalte können von öffentlichem Interesse sein oder bloss die Öffentlichkeit interessieren (siehe Boulevard-Medien).
Klassifizierung journalistischer Medien nach Kriterien
| Merkmal | Arten | Beispiele |
|---|---|---|
| Zielgruppen | Massenmedien (disperses Publikum); Fach-/Special-Interest-Medien; Altersgruppen-Medien; Frauen-/Männermagazine; Medienagenturen (Dienstleister für Massenmedien) | NZZ, SI; IT-/Auto-Magazine; Bravo, Zeitlupe; Barbara, Playboy; SDA, AP, Reuters, DPA, AFP |
| Periodizität | einmalig; periodisch; kontinuierlich (laufende Aktualisierung) | Buch; Tages-/Wochenzeitung; Online-Ausgaben |
| Herausgeber | Verlagshaus; Interessengruppen; Unternehmen (Hauszeitung, Newsletter) | Ringier, Springer; politische Partei; interne PM |
| Themen & Frames | Gesellschaftspolitik, Wirtschaft, Wissenschaft; «People» (Sensationen, Skandale) | – |
| Funktion | Informieren/Meinungsbildung; Unterhalten; gemischt («Infotainment») | NZZ; TV-Serien; Blick |
| Verbreitungsraum | lokal; regional/kantonal; überregional; international | Murtenbieter; Berner Zeitung; Tages-Anzeiger; Times |
| Finanzierung | Abonnementszeitungen; Gratis-/Pendlerzeitungen | NZZ, Blick; 20 Minuten |
Daneben existieren historisch gewachsene Medientypen: Die Zeitschrift hob sich ursprünglich durch Format, Bindung, Papier und Periodizität von der Zeitung ab und eignet sich eher für Hintergrundberichte und bebilderte Reportagen; für Online-Ausgaben sind diese Merkmale nicht mehr relevant. Eine Sonderstellung nehmen Nachrichtenagenturen wie Keystone-SDA ein: Sie arbeiten nach denselben journalistischen Grundsätzen, richten sich aber nicht an ein disperses Publikum, sondern beliefern Redaktionen – im Unterschied zu PR-Agenturen agieren sie für das öffentliche, nicht für partikuläre Interessen.
Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)
Journalistische Medien bilden die Leitarena der publizistischen Krise: Ihre Gatekeeper-Selektion und ihre Professionalitätsstandards entscheiden, welche Deutung einer Krise Reichweite und Glaubwürdigkeit gewinnt. SCHNUFFI gewichtet Leitmedien deshalb besonders bei der Frame-Erhebung; für EVI sind sie die erste Adresse der Medienarbeit – wer die journalistische Arena verliert, kann sie über eigene Kanäle allein kaum zurückgewinnen.
Literatur
fög – Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft. (2022). Jahrbuch Qualität der Medien. Universität Zürich.
Meier, K. (2018). Journalistik (4. Aufl.). UVK.
Pürer, H. (2015). Kommunikationswissenschaft als Sozialwissenschaft. UVK.