(Quellen: Wirkungsforschung Schenk, Medien-Psychologie, Baeriswyl)
Einfluss von Voreinstellungen und Erwartungen
- Welche Information das Publikum akzeptiert, hängt stark von der persönlichen Krisenerfahrung, den Voreinstellungen gegenüber den Krisenakteuren und der Erwartungshaltung an die Organisation ab (Schenk, 2007).
- Je gefestigter Voreinstellungen sind, desto schwieriger lassen sie sich verändern und desto stärker prägen sie die Wahrnehmung neuer Informationen (Schenk, 2007).
- Negative Voreinstellungen begünstigen die Akzeptanz negativ gefärbter Informationen, da diese mit bestehenden Überzeugungen übereinstimmen (kognitive Konsonanz; Schenk, 2007).
- Positive Voreinstellungen führen zur Ablehnung oder zum Übergehen kritischer Informationen (selektives Leseverhalten, kognitive Dissonanz; Schenk, 2007).
Bedeutung von Wissen und Unsicherheit
- Fundiertes Wissen über ein Unternehmen oder einen Sachverhalt stabilisiert Voreinstellungen und macht sie weniger veränderbar (Schenk, 2007).
- Vages Wissen erhöht die Gefahr, dass Vorurteile, Meinungen, Vermutungen und Gerüchte entstehen (Schenk, 2007).
- Je vager das Wissen, desto empfänglicher ist das Publikum für neue meinungsbildende Informationen (Schenk, 2007).
Schadensausmass, Risiko und Betroffenheit
(Nutzen- und Belohnungsansatz; Schenk, 2007)
Mit der Zunahme der Betroffenheit wächst das Interesse an der Krise. Aber auch die Emotionen wirken stärker.
Attribution von Verantwortung
- Menschen neigen dazu, in Krisen Ursachen und Verantwortlichkeiten zuzuschreiben (Attributionstheorie; Heider, 1958; Weiner, 1986).
- Externe Attribution („die Organisation ist schuld“) dominiert, wenn Schaden und Kontrollverlust groß wahrgenommen werden.
- Interne Attribution („unvorhersehbares Ereignis, höhere Gewalt“) ist wahrscheinlicher, wenn die Organisation als vertrauenswürdig gilt und die Krise als schwer kontrollierbar eingeschätzt wird.
Psychologische Mechanismen der Informationsverarbeitung
- Selektive Wahrnehmung: Informationen, die bestehende Überzeugungen bestätigen, werden bevorzugt aufgenommen.
- Bestätigungsfehler (confirmation bias): Menschen suchen gezielt nach Informationen, die ihre Voreinstellungen stützen (Nickerson, 1998).
- Verfügbarkeitsheuristik: Ereignisse, die medial stark präsent sind, werden als wahrscheinlicher und gravierender eingeschätzt (Tversky & Kahneman, 1973).
- Kontrollillusion: Je weniger Kontrolle ein Publikum subjektiv wahrnimmt, desto stärker wird die Krise als bedrohlich eingeschätzt (Slovic, 2000).
Vertrauen und Glaubwürdigkeit
- Vertrauen in die Organisation wirkt als zentraler Puffer in der Krisenwahrnehmung: je höher das Vertrauen, desto eher werden entlastende Botschaften akzeptiert (Coombs, 2007).
- Glaubwürdigkeit der Quelle ist entscheidend: Inkonsistenzen oder widersprüchliche Botschaften verstärken Misstrauen und verschärfen die Zuschreibung von Verantwortung.