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Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

Neben den zu ver­mit­teln­den Infor­ma­tio­nen spielt im Medi­en­zeit­al­ter der Auf­tritt des Reprä­sen­tan­ten des Unter­neh­mens eine wich­ti­ge Rol­le. Dazu gehö­ren neben der Aus­strah­lung als Per­sön­lich­keit para­ver­ba­le Aspek­te (Stim­me) sowie Mimik, Gestik und Kör­per­hal­tung (sie­he auch Medi­en­spre­cher, Reprä­sen­tant).

Vermittlung von Emotionen durch Mimik und Gestik

In Prä­sen­ta­ti­ons­schu­lun­gen wird betont, dass man mit Mimik, Gestik und Kör­per­hal­tung mehr Infor­ma­tio­nen über­trägt als mit den Aus­sa­gen. Dies betrifft die Gefühls­si­gna­le, die ein Reprä­sen­tant eines Unter­neh­mens auf sein sozia­les Umfeld überträgt.

«Bis zu einem gewis­sen Grad kann man Gefüh­le oder Stim­mun­gen dadurch steu­ern, dass man will­kür­lich Hal­tung oder Mimik ver­än­dert (wobei Stim­mun­gen wahr­schein­lich eher mit Beliebt­heit und Span­nungs­grad, Gefüh­le mit spe­zi­fi­schen Bewe­gun­gen zusam­men­hän­gen). Die Auf­for­de­rung ‹Lass dich nicht so hän­gen!› kann – ganz wört­lich genom­men – einem nie­der­ge­schla­ge­nen Zustand ent­ge­gen­wir­ken. Wer (auch nur sub­vo­kal) ein ‹i› arti­ku­liert – und damit neben­bei sei­ner Gesichts­mus­ku­la­tur Züge eines Lächelns auf­zwingt (‹Sagen Sie cheese!›) – kann den leich­ten Anflug von Fröh­lich­keit spü­ren. Für die emo­tio­na­le Wirk­sam­keit kör­per­li­cher Mani­pu­la­tio­nen, bei denen, ana­log zum ‹i‑Gesicht›, der Zusam­men­hang zu Gefühl und Stim­mung für die Ver­suchs­per­son nicht ersicht­lich ist, gibt es expe­ri­men­tel­le Bele­ge.» (Schön­ham­mer, 2013, S. 33 🔴 Voll­an­ga­be in Zote­ro nach­tra­gen)

Die ersten Sekunden

Meist tritt der CEO zum ersten Mal in Kri­sen­si­tua­tio­nen vor die Öffent­lich­keit – sei dies an einer Ver­an­stal­tung oder über eine Video­kon­fe­renz. Die ersten Sekun­den sind ent­schei­dend dafür, wie er – und damit das Unter­neh­men – vom Publi­kum wahr­ge­nom­men wird (wei­te­re Infor­ma­tio­nen).

Empfehlungen nach Coombs

Coombs (2007) for­mu­lier­te opti­mier­te Ver­fah­rens­wei­sen für Reprä­sen­tan­ten gegen­über den Nachrichtenmedien:

  • Erstens ist es ent­schei­dend, die Phra­se «Kein Kom­men­tar» zu ver­mei­den, da die­se den Ver­dacht erwecken könn­te, das Unter­neh­men sei in den mut­mass­li­chen Miss­stand invol­viert und ver­su­che, ihn zu verschleiern.
  • Zwei­tens ist die kla­re Arti­ku­la­ti­on der Aus­sa­gen von Bedeu­tung, um nicht den Ein­druck zu erwecken, das Unter­neh­men wol­le mit man­geln­der Deut­lich­keit die Öffent­lich­keit des­ori­en­tie­ren und die Wahr­heit verbergen.
  • Drit­tens ist es wich­tig, dass der Spre­cher nicht ner­vös oder unru­hig wirkt: Ver­hal­tens­wei­sen wie Her­um­lau­fen und ver­mei­den­der Blick­kon­takt kön­nen als Indi­ka­to­ren für Täu­schung inter­pre­tiert wer­den. Schliess­lich ist es essen­zi­ell, dass der Spre­cher umfas­send über den aktu­el­len Stand der Kri­se infor­miert ist, um die zen­tra­le Bot­schaft adäquat zu kommunizieren.

Bedeutung im KMK-System

Der Auf­tritt des Reprä­sen­tan­ten ent­schei­det mit, ob der Orga­ni­sa­ti­on Empa­thie, Kom­pe­tenz und Ver­ant­wor­tungs­über­nah­me abge­nom­men wer­den – er kann die beste Bot­schafts­stra­te­gie tra­gen oder zer­stö­ren. Medi­en­trai­ning und die Vor­be­rei­tung mit Nasty Que­sti­ons sind die zuge­hö­ri­gen Instru­men­te der Kri­sen­vor­be­rei­tung.

Weiterführend: Beispiele von Repräsentanten in Krisensituationen

Auf­ga­be: Schau­en Sie sich die Auf­trit­te der Reprä­sen­tan­ten an. Wen wür­den Sie als Medi­en­spre­cher in Ihren Kri­sen­stab auf­neh­men? Begrün­den Sie Ihre Wahl in Stichworten.

1. Martin Winterkorn (ehemaliger CEO VW)

2. Warren East (CEO von Rolls-Royce)

3. Josef Ackermann (Deutsche Bank, 2011)

4. Urs Schwaller (VR-Präsident Post, Postauto-Skandal)

5. Philippe Bruggisser (Swissair, Halifax)

Literatur

Coombs, W. T. (2007). Pro­tec­ting orga­nizati­on repu­ta­ti­ons during a cri­sis: The deve­lo­p­ment and appli­ca­ti­on of Situa­tio­nal Cri­sis Com­mu­ni­ca­ti­on Theo­ry. Cor­po­ra­te Repu­ta­ti­on Review, 10(3), 163–176. https://doi.org/10.1057/palgrave.crr.1550049

🔴 Schön­ham­mer, R. (2013). Voll­an­ga­be in Zote­ro nachtragen.