KMK-RESSOURCE KB-F1
Codiersystem deskriptives Framing
| Version | 2.0 |
|---|---|
| Stand | 19.10.2026 |
| Gilt ab | 13.08.2026 |
| Ersetzt | Version 1.0 vom 22.04.2026 |
| Modul | FRAMI |
| Ebene | 1 – Befund, mit einem Feld auf Ebene 2 |
| Geltungsart | Messvorschrift |
| Konventionen | KB-00 Codebuch-Konventionen |
| Systemversion | KMK 2.0 |
Massgebliche Fassung für KMK-Analysen (KI-Abruf). Bei jeder Analyse live abrufen, nie aus dem Cache.
1 Was dieser Bogen erfasst
Definition nach Kepplinger: Aussagen über das Geschehene, mit Anspruch auf
Wahrheit. Codiert wird, wie der Beitrag den Sachverhalt darstellt – nicht, wie er ihn bewertet
(das ist KB-F2) und nicht, wie ein Publikum darauf reagiert (das ist RW-R1).
2 Deskriptive Frame-Elemente
| Code | Bezeichnung | Memo | Beispiel | Codierregel |
|---|---|---|---|---|
DESK_INT_UNFALL | organisationsinterne Ursache: Unfall, Ausfall, Störung | Internes Ereignis, das als unverschuldeter Unfall, technisches Versagen oder Störung beschrieben wird. | «Beim Testlauf versagte eine Komponente.» | Mehrfachcodierung erlaubt; Textbeleg und Fundstelle Pflicht, EXPL vergeben. |
DESK_EXT_SCHICKSAL | organisationsexterne Ursache: Schicksal, Naturereignis | Externes Ereignis, das als unabwendbares Schicksal oder Zufall beschrieben wird. | «Niemand konnte das vorhersehen.» | Mehrfachcodierung erlaubt; Textbeleg und Fundstelle Pflicht, EXPL vergeben. |
DESK_STRUKTUR | strukturelle Ursache (Rahmenbedingungen) | Nicht individuelles, sondern systemisches oder regulatorisches Versagen steht im Zentrum. | «Das Problem liegt in unklaren Zuständigkeiten und fehlender Kontrolle.» | Mehrfachcodierung erlaubt; Textbeleg und Fundstelle Pflicht, EXPL vergeben. |
DESK_INT_SACHSCHADEN | organisationsinterner Sachschaden | Fokus auf wirtschaftliche, materielle oder technische Schäden der Organisation. | «Durch das Feuer im Serverraum entstand erheblicher Schaden.» | Mehrfachcodierung erlaubt; Textbeleg und Fundstelle Pflicht, EXPL vergeben. |
DESK_EXT_SACHSCHADEN | organisationsexterner Sachschaden | Fokus auf sachlich verursachte Schäden ausserhalb der Organisation (wirtschaftlich, materiell, ökologisch). | «Der Tunnelbau hat der Region ökologischen Schaden zugefügt.» | Mehrfachcodierung erlaubt; Textbeleg und Fundstelle Pflicht, EXPL vergeben. |
DESK_INT_FEHLVERHALTEN | organisationsinternes menschliches Fehlverhalten | Eine Mitarbeiterin oder das Management der Organisation wird klar als Verursacher benannt. | «Der CEO wusste von den Sicherheitslücken und handelte nicht.» | Mehrfachcodierung erlaubt; Textbeleg und Fundstelle Pflicht, EXPL vergeben. |
DESK_EXT_FEHLVERHALTEN | organisationsexternes menschliches Fehlverhalten | Eine externe Person oder Organisation wird klar als Verursacher benannt. | «Der Hackerangriff wurde von einer bekannten Gruppe durchgeführt.» | Mehrfachcodierung erlaubt; Textbeleg und Fundstelle Pflicht, EXPL vergeben. |
DESK_VERSAEUMNIS | zeitlich frühere Ursache (Versäumnis) | Die Ursache liegt in der Vergangenheit und wird retrospektiv problematisiert. | «Seit Jahren wurden Warnungen ignoriert.» | Mehrfachcodierung erlaubt; Textbeleg und Fundstelle Pflicht, EXPL vergeben. |
DESK_OPFER_INT | Opferfokus organisationsintern | Fokus auf internes menschliches Leid und Betroffenheit (Mitarbeitende, Management). | «Die betroffenen Mitarbeitenden fühlen sich im Stich gelassen.» | Mehrfachcodierung erlaubt; Textbeleg und Fundstelle Pflicht, EXPL vergeben. |
DESK_OPFER_EXT | Opferfokus organisationsextern | Fokus auf externes menschliches Leid und Betroffenheit (Kundschaft, Anwohnerschaft). | «Leiden musste wieder die Kundschaft.» | Mehrfachcodierung erlaubt; Textbeleg und Fundstelle Pflicht, EXPL vergeben. |
DESK_FOLGEN_INT | drohende Folgen für die Organisation | Ein noch nicht eingetretener Schaden der Organisation wird als absehbar dargestellt – wirtschaftlich, rechtlich, personell oder betrieblich. | «Verliert der Betrieb die Zulassung, stehen zweihundert Stellen auf dem Spiel.» | Mehrfachcodierung erlaubt; Textbeleg und Fundstelle Pflicht, EXPL vergeben; Attribut Abwendbarkeit zwingend. |
DESK_FOLGEN_EXT | drohende Folgen ausserhalb der Organisation | Ein noch nicht eingetretener Schaden für Dritte, Öffentlichkeit oder Umwelt wird als absehbar dargestellt. | «Solange die Leitung nicht abgedichtet ist, droht das Grundwasser zu kippen.» | Mehrfachcodierung erlaubt; Textbeleg und Fundstelle Pflicht, EXPL vergeben; Attribut Abwendbarkeit zwingend. |
DESK_KONFLIKT | Konflikt zwischen Akteuren | Es wird ein klarer Konflikt zwischen zwei Parteien beschrieben. | «Die Gewerkschaft erhebt schwere Vorwürfe gegen die Geschäftsleitung.» | Mehrfachcodierung erlaubt; Textbeleg und Fundstelle Pflicht, EXPL vergeben. |
DESK_LOESUNG | lösungsorientierte Darstellung | Die Berichterstattung betont mögliche oder eingeleitete Lösungswege. | «Die Firma hat eine interne Untersuchung eingeleitet.» | Mehrfachcodierung erlaubt; Textbeleg und Fundstelle Pflicht, EXPL vergeben. |
3 Folgen und Konsequenzen – die Abgrenzung
Grundregel: Folgen sind, was eintritt, wenn nichts unternommen wird. Konsequenzen sind, was gefordert wird, weil Schuld zugesprochen wurde. Das eine ist eine Aussage über den Sachverhalt und richtet sich an den Bedrohten. Das andere ist ein Handlungsanspruch und richtet sich an den Verantwortlichen.
Folgen – DESK_FOLGEN_*, dieser Bogen | Konsequenzen – NORM_FORD_*, KB-F2 | |
|---|---|---|
| Anspruchsart | deskriptiv, Anspruch auf Wahrheit | normativ, Anspruch auf Richtigkeit |
| Adressat | der Bedrohte – ACTOR_BEDROHTER in KB-F4 | der Verantwortliche – ROLE_SCHULDIG in KB-F4 |
| Zeitlogik | tritt ein, wenn nicht gehandelt wird | wird verlangt, weil etwas geschehen ist |
| Prüffrage | Wem droht etwas? | Von wem wird etwas verlangt? |
Attribut Abwendbarkeit
Pflichtangabe bei jeder Codierung von DESK_FOLGEN_INT oder DESK_FOLGEN_EXT. Dreiwertig, codiert wird die Darstellung im Text, nicht die Einschätzung der Codiererin.
| Wert | Bedeutung |
|---|---|
abwendbar | Der Text stellt die Folge als vermeidbar dar, sofern gehandelt wird. |
unabwendbar | Der Text stellt sie als nicht mehr abwendbar dar. |
offen | Der Text äussert sich zur Abwendbarkeit nicht. |
Achtung: Vier Abgrenzungen. Gegen
DESK_*_SACHSCHADENundDESK_OPFER_*: Der Schaden ist eingetreten, die Folge nicht. Geprüft wird an Zeitform und Konditional. Ein Beitrag kann beides führen. GegenDESK_LOESUNG: Das ist das Spiegelbild – was unternommen wird oder werden kann gegen das, was eintritt, wenn nichts unternommen wird. Beides steht oft im selben Satz und ist dann doppelt zu codieren. GegenEMO_ANGSTinKB-F3: Angst ist die ausgedrückte Emotion,DESK_FOLGEN_*der dargestellte Sachverhalt. Die beiden dürfen nicht ineinander überführt werden – sonst wird die Rahmung aus der Reaktion auf sie erschlossen. GegenNORM_FORD_*: Eine geforderte Konsequenz kann für die Organisation zugleich eine drohende Folge sein, etwa ein verlangter Rücktritt. Dann wird beides codiert,NORM_FORD_PERSONELLdort undDESK_FOLGEN_INThier. In der Auswertung bleiben die beiden Grössen getrennt; ein Doppeleintrag im Forderungsprofil ist unzulässig.
Hinweis: Warum das Element gebraucht wird. Die offene Gefährdungslage ist die Wenn-Bedingung von
REZ-R09inRW-R1und entscheidet bei EVI darüber, ob instruierende und adjustierende Information Vorrang vor Imagearbeit hat. Ohne dieses Element musste der Bedrohungsframe inMI-03ausEMO_ANGSTerschlossen werden – aus der Reaktion auf die Rahmung statt aus der Rahmung selbst.
4 SCCT-Cluster – zwei getrennte Felder
Bis Version 1.0 stand hier ein einziges Clusterfeld, dem Zuschreibungsniveaus angehängt waren. Beides ist getrennt worden.
| Feld | Ebene | Memo | Beispiel | Codierregel |
|---|---|---|---|---|
SCCT_TEXT = Victim | 1 – Befund | Der Beitrag rahmt das Ereignis selbst als Opferlage der Organisation. | «Wir wurden Opfer eines Cyberangriffs.» | Nur codieren, wenn der Beitrag rahmt. Referiert er bloss Fakten: nicht codierbar. |
SCCT_TEXT = Accidental | 1 – Befund | Der Beitrag rahmt das Ereignis als unbeabsichtigtes technisches Versagen; bei einer Entscheidungskrise den Entscheid als sachlich begründet oder durch äussere Umstände erzwungen (Abschnitt 4.1). | «Ein Defekt führte zum Ausfall, obwohl Wartungen durchgeführt wurden.» · «Der Strukturwandel zwingt die Kette zum Abbau.» | wie oben |
SCCT_TEXT = Preventable | 1 – Befund | Der Beitrag rahmt das Ereignis als vermeidbar: Fehlverhalten, Fehlentscheidung, Regelbruch. | «Das Management ignorierte Warnungen.» | wie oben |
SCCT_REKON | 2 – Deutung | Klassifikation der Codiererin auf Basis der DESK_*-Codes. | — | Entscheidungsregel mit den drei Werten Victim, Accidental und Preventable sowie Vorrangregel: Abschnitt 4.1. Kontrollgrösse, kein Prädiktor. |
Achtung: Die Zuschreibungsniveaus sind aus diesem Bogen entfernt. Formulierungen wie «geringe / mittlere / hohe Verantwortung» sind Aussagen über das Publikum und gehören auf Ebene 3, in
RW-R1. Sie standen bisher mitten in einem Bogen der Ebene 1. Nebenbei war «mittlere Verantwortung» sachlich falsch: SCCT kennt minimal / low / strong – das Accidental Cluster löst eine geringe Zuschreibung aus.
Grundregel: Der Abstand zwischen den beiden Feldern ist selbst ein Befund. Fehlt
SCCT_TEXTund lautetSCCT_REKONauf Preventable, liegt eine Krise vor, die faktisch vermeidbar war, medial aber noch nicht als vermeidbar gerahmt wird. Das ist ein Reframing-Fenster – für EVI eine der wertvollsten Informationen überhaupt. Wie der Abstand geprüft und ausgewiesen wird, regeltMI-03im Revisionspunkt Typzuordnung.
4.1 Rekonstruktion des Krisenclusters NEU 16.09.2026
SCCT_REKON wird aus den DESK_*-Codes und der Ursachenzuschreibung (Abschnitt 5) gebildet und deckt dieselben drei Werte ab wie SCCT_TEXT. Bei «keine Zuschreibung» richtet sich SCCT_REKON nach den DESK_*-Codes; ergeben auch diese keine Zuordnung, wird es als nicht bestimmbar ausgewiesen. NEU 19.10.2026
| Ursachenzuschreibung | Befundlage | SCCT_REKON |
|---|---|---|
| extern | Angriff, Sabotage, Gerücht, Naturereignis; kein organisationales Versäumnis belegt | Victim |
| extern | Fehler eines Dritten ohne Angriffsabsicht, etwa eines Zulieferers; Produktfehler ohne Fahrlässigkeit | Accidental |
| intern | korrekte Prozesse, technisches Versagen | Accidental |
| intern | angekündigter Entscheid der Organisation ohne belegtes Fehlverhalten – Restrukturierung, Abbau, Schliessung, Verlagerung; die Urheberschaft ist unbestritten, umstritten sind Angemessenheit und Verfahren (Entscheidungskrise, Sonderregel unten) NEU 03.10.2026 | Accidental |
| intern | Fahrlässigkeit, Vorsatz, Organisationsversagen, Rechtsverstoss, Management-Fehlentscheid | Preventable |
Vorrangregel bei zusammentreffenden Ursachen. Treffen ein äusserer Anlass und ein organisationales Versäumnis zusammen – der Angriff gelingt, weil eine Kontrolle fehlte –, gilt der höhere Zuschreibungsgrad. Die Regel knüpft an eine vorhandene Codierung an: Wird neben einem externen ACTOR_VERURSACHER die Krisenorganisation als ACTOR_MITVERURSACHER codiert (KB-F4), also als durch Unterlassung, Fahrlässigkeit oder unzureichende Kontrolle mitwirkend, so wird SCCT_REKON auf Preventable gesetzt. Der äussere Anlass wird als mildernder Umstand vermerkt, nicht als Cluster. Die Zuschreibung folgt der Kontrollierbarkeit: Ein abwendbares Versäumnis bleibt abwendbar, auch wenn ein Dritter es ausnutzt.
Hinweis: Abgrenzung zum Velcro-Effekt. Die Vorrangregel betrifft den Cluster, weil sie die Befundlage anders beurteilt. Der Velcro-Effekt betrifft ihn nicht: Er verschiebt allein die Reputationsgefahr, der Cluster bleibt. Beide Mechanismen werden getrennt geführt, damit dieselbe Lage nicht zweimal hochgestuft wird.
Hinweis: Drittverursachung mit Namens- oder Eigentümerbezug. Hat die Krisenorganisation das Ereignis nicht verursacht, wird sie aber über ihren Namen, ihre Eigentümer oder eine Person an ihrer Spitze mit ihm verbunden, rahmen Beiträge oft nur das Ereignis selbst – und dieses als Tat eines anderen.
SCCT_TEXTbezieht sich dann auf die Lage der Krisenorganisation, wie der Beitrag sie darstellt: als Leidtragende fremden Handelns (Victim), als mitverantwortlich, weil Eigentümer oder Leitung davon wussten oder es duldeten (Preventable), oder gar nicht (nicht codierbar). Die Rahmung des Ereignisses selbst geht nicht in das Feld ein. Wer gehandelt hat und in welcher Rolle, haltenROLE_ZIELundROLE_ZIEL_KONTEXTinKB-F4fest. Grenze zwischen Victim und nicht codierbar: Victim nur bei wertender Opferrahmung, die der Krisenorganisation ein Erleiden zuschreibt – «im Strudel», «mitgerissen», «mit einem blauen Auge davongekommen». Die blosse Nennung einer Bedrohung, einer Ungewissheit oder einer Entwarnung ist keine Rahmung und bleibt nicht codierbar. Weil das Feld in solchen Lagen fast nur «nicht codierbar» trägt, wird fürSCCT_TEXTneben Alpha die prozentuale Übereinstimmung ausgewiesen (KB-00Abschnitt 7). NEU 25.09.2026, ergänzt 26.09.2026
Hinweis: Entscheidungskrise. Löst nicht ein Ereignis, sondern ein angekündigter Entscheid der Organisation die Krise aus – ein Stellenabbau, eine Schliessung, eine Verlagerung –, ist die Urheberschaft unbestritten; umstritten sind Angemessenheit und Verfahren. Coombs führt diesen Fall als Anfechtung (challenge: Anspruchsgruppen werfen der Organisation vor, unangemessen zu handeln) im Accidental Cluster (Coombs, 2007, S. 168, Tabelle 1).
SCCT_REKONlautet deshalb Accidental, mit drei Sonderregeln:
- Begründungen der Organisation sind keine äussere Ursache. Nennt der Beitrag Markt, Pandemie oder Strukturwandel als Grund des Entscheids, ergibt das nicht Victim: Der Entscheid widerfährt der Organisation nicht, sie trifft ihn. Die Begründung wird als Rechtfertigung vermerkt; die Ursachenzuschreibung (Abschnitt 5) bleibt intern.
- Vorwürfe gegen die Umsetzung heben den Cluster nicht. Druck auf Mitarbeitende, Behinderung der Personalvertretung oder die Umgehung eines vorgeschriebenen Verfahrens betreffen die Bewältigung, nicht die Ursache. Sie gehen nicht über die Vorrangregel in
SCCT_REKONein, sondern werden inKB-F2alsNORM_DOUBLEcodiert (NORM_DOUBLE_TYP=sekundär). Ebenso hebt die Kritik, frühere Versäumnisse hätten den Entscheid nötig gemacht, den Cluster nicht; sie bleibt alsDESK_VERSAEUMNIScodiert.- Preventable nur bei belegtem Fehlverhalten im Entscheid selbst. Ist der Entscheid als Rechtsverstoss oder als Täuschung belegt – etwa als Bruch einer ausdrücklichen Zusage –, gilt Preventable. Ein Management-Fehlentscheid im Sinn der Tafel ist ein Entscheid mit ungewollter Schadensfolge; ein angekündigter Entscheid, dessen Folgen gewollt sind, ist keiner.
Für
SCCT_TEXTgilt sinngemäss: Rahmt der Beitrag den Entscheid als begründet oder erzwungen («die Pandemie zwingt …»), ist das Accidental, nicht Victim; rahmt er ihn als Willkür oder Regelbruch, Preventable; berichtet er nur, nicht codierbar. In der Historientabelle vonKB-A1trägt ein solcher Vorfall den Krisentyp «Entscheid». Anlass: Rückprobe am Fall Manor / Stellenabbau 2020 vom 03.10.2026, in derSCCT_REKONin 23,6 % der Einheiten nur mit einem Wert ausserhalb des Codebuchs bestimmbar war und Vorwürfe gegen das Verfahren den Cluster über die Vorrangregel auf Preventable hoben. NEU 03.10.2026
Hinweis: Prüfpunkt: «nicht codierbar» bei Entscheidungskrisen.NEU 05.10.2026 Vor der Sonderregel vom 03.10.2026 hatte die Entscheidungskrise keinen Platz in den drei Clustern. Im Fall Manor / Stellenabbau 2020 war deshalb
SCCT_REKONin 16 von 59 Einheiten nicht zuordenbar, und der hohe Anteil «nicht codierbar» beiSCCT_TEXT(81,9 Prozent) ging zu einem Teil auf diese Lücke zurück (16 der 59 Einheiten «nicht codierbar»); die übrigen berichten den Entscheid ohne Rahmung der Verantwortung und bleiben auch nach der Sonderregel nicht codierbar. Der Wert ist mit Fällen nach dem 03.10.2026 nur bedingt vergleichbar. Am nächsten Fall einer Entscheidungskrise ist zu prüfen, ob die Sonderregel den Anteil senkt; bleibt er hoch, ist das ein Befund zur Lesart vonSCCT_TEXTund fürREZ-R10(RW-R1) zu vermerken. Anlass: Nachrechnung des Nenners vonREZ-R10an drei Fällen durch das Analysetool vom 05.10.2026.
5 Ursachenzuschreibung
Ergänzend je Beitrag, dreiwertig: intern (die Ursache des Krisenereignisses liegt bei der Organisation), extern (die Ursache liegt in äusseren Umständen oder bei Dritten) oder keine Zuschreibung (der Beitrag nennt keine Ursache des Krisenereignisses, etwa eine reine Rückruf- oder Verfahrensmeldung oder nur den Anlass einer Massnahme). «Keine Zuschreibung» ist ein eigener Wert und kein leeres Feld, wie «nicht codierbar» bei SCCT_TEXT; ihr Anteil wird im Bericht ausgewiesen. Nennt ein Beitrag interne und externe Ursachen, gilt die überwiegende Zuschreibung. NEU 19.10.2026 Die drei
Teilsysteme dieses Bogens überschneiden sich bewusst und ergänzen sich analytisch. Ein angekündigter Entscheid der Organisation ist intern, auch wenn sie äussere Gründe nennt (Abschnitt 4.1, Entscheidungskrise). NEU 03.10.2026
Achtung: Ursache und Bewältigung. Codiert wird, wo der Beitrag die Ursache des Krisenereignisses verortet. Kritik an der Bewältigung – verspäteter Rückruf, verspätete Information, Vollzug der Behörden – ist keine Ursachenzuschreibung; sie wird über
NORM_DOUBLE(NORM_DOUBLE_TYP=sekundär) und, wo sie die Ursache in die Vergangenheit verlegt, überDESK_VERSAEUMNISerfasst. Massgeblich ist der Beginn des Ereignisses: Ein Versäumnis vor dem Ereignis, das es ermöglicht hat – etwa eine unterlassene Eingangskontrolle –, ist eine Ursache und kann eine interne Zuschreibung begründen. Eine Forderung nach strengerer Kontrolle ergibt deshalb nur dann eine interne Zuschreibung, wenn der Beitrag die fehlende Kontrolle als Ursache des Ereignisses darstellt. Ohne diese Abgrenzung würde dieselbe Aussage doppelt gezählt, und die Zuschreibung hinge davon ab, wie viel über die Bewältigung berichtet wird. NEU 19.10.2026
Hinweis: Ort der Ursache, nicht Verantwortlichkeit. Die Ursachenzuschreibung erfasst, wo die Ursache liegt, nicht, wem die Verantwortung zugewiesen wird. Liegt die Ursache aussen, etwa bei einem Zulieferer, und weist der Beitrag der Organisation dennoch Verantwortung oder eine verletzte Sorgfaltspflicht zu, bleibt die Zuschreibung
extern. Die Verantwortung wird überNORM_ORGundROLE_*erfasst, die Mitwirkung durch Unterlassung oder unzureichende Kontrolle alsACTOR_MITVERURSACHER(KB-F4); über die Vorrangregel in Abschnitt 4.1 geht sie inSCCT_REKONein und wird so nicht doppelt gezählt. Benennt der Beitrag dagegen ein eigenes Versäumnis vor dem Ereignis als Ursache, ist das eine interne Ursache (Kasten oben); treffen beide zusammen, gilt die überwiegende Zuschreibung. Die Trennung folgt der Attributionstheorie, die Ort, Stabilität (Abschnitt 5.1) und Kontrollierbarkeit als eigene Dimensionen führt. Anlass: Rückprobe am Fall Cereulid vom 19.10.2026; alle Dissense zwischen den Codierenden betrafen das Vorliegen einer Zuschreibung, keiner ihre Richtung. NEU 19.10.2026
5.1 Attribut Stabilität NEU 19.10.2026
Pflichtangabe bei jeder Ursachenzuschreibung (intern oder extern; bei «keine Zuschreibung» entfällt sie). Dreiwertig; codiert wird, ob der Beitrag die Ursache als dauerhafte Eigenschaft der Organisation darstellt oder als einmaligen Umstand – nicht die Krisengeschichte, wie ADAM sie in KB-A1 erhebt.
| Wert | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
stabil | Der Beitrag stellt die Ursache als wiederkehrend oder dauerhaft dar: als Wiederholung, mit Rückgriff auf frühere Vorfälle derselben Organisation und derselben Art oder als Eigenschaft von Kultur, Führung oder Geschäftsmodell. Ein Rückgriff nur auf frühere Vorfälle anderer Art ergibt offen; ein Folgerückruf oder eine weitere Meldung im selben Fall ist keine Wiederholung. | «Es ist bereits der dritte Rückruf in zwei Jahren.» |
einmalig | Der Beitrag stellt die Ursache ausdrücklich als Einzelfall oder Ausnahme dar. | «Ein solcher Fehler ist im Werk noch nie vorgekommen.» |
offen | Der Beitrag äussert sich dazu nicht. | — |
Eine Einmaligkeits- oder Wiederholungsaussage zählt auch, wenn der Beitrag sie nur zitiert; stammt sie von der Organisation selbst, wird das im Bericht vermerkt. Die Beteuerung der Einmaligkeit ist dann zugleich eine Botschaft der Organisation und keine Darstellung des Mediums. Präzisiert nach der Rückprobe vom 19.10.2026 (Werttabelle und Abgrenzung gegen DESK_VERSAEUMNIS verlangen beide «derselben Art»). NEU 19.10.2026
Achtung: Drei Abgrenzungen. Gegen
DESK_STRUKTUR: Der Code erfasst, wo die Ursache liegt – in Rahmenbedingungen statt bei Einzelnen –, nicht, ob sie wiederkehrt. Ein strukturelles Versagen kann als einmalig dargestellt werden, eine wiederholte Verfehlung als Fehlverhalten Einzelner. Beide Angaben werden unabhängig codiert. GegenDESK_VERSAEUMNIS: Das Versäumnis verlegt die Ursache des aktuellen Ereignisses in die Vergangenheit.stabilverlangt mehr: frühere oder wiederkehrende Ereignisse derselben Art oder eine als dauerhaft dargestellte Eigenschaft. Treffen beide zu, werden beide codiert. GegenINT_HISTinKB-A1: Die Krisengeschichte ist eine Tatsache, die ADAM vor der Analyse erhebt; das Attribut misst, ob die Berichterstattung sie aufgreift. Der Abstand zwischen beiden ist ein Befund und dient als Falsifikator vonREZ-R02inRW-R1.
Hinweis: Warum das Attribut gebraucht wird. Nach der Attributionstheorie hängt die zugeschriebene Verantwortung nicht nur davon ab, ob eine Ursache bei der Organisation liegt, sondern auch davon, ob sie als stabil gilt – bei Kelley als Konsistenz, bei Weiner als Stabilitätsdimension. Schwarz (2008) zeigt das für die Krisen-PR experimentell: Je stärker die Ursache stabilen Eigenschaften der Organisation zugeschrieben wird, desto höher fällt die zugeschriebene Verantwortung aus und desto negativer die Einstellung gegenüber der Organisation. Dass solche Zuschreibungen bereits im Medienframe angelegt sind, begründet Schwarz (2014). Ohne das Attribut war der erste Falsifikator von
REZ-R02– Rückgriffe auf frühere Vorfälle – nicht messbar. Das Attribut wird bei interner und externer Ursachenzuschreibung erhoben; fürREZ-R02zählt die Verbindunginternundstabil. Gilt ab Publikation, keine Nachcodierung abgeschlossener Fälle.
Quellen zu 5.1: Schwarz, A. (2008). Wer hat die Krise zu verantworten? Ein rezeptionsorientierter Ansatz der Krisen-Public Relations. Medien & Kommunikationswissenschaft, 56(1), 60–81. · Schwarz, A. (2014). Die Relevanz von Ursachen- und Verantwortungszuschreibungen im Kontext von Nachrichtenproduktion und ‑rezeption. In W. Loosen & M. Dohle (Hrsg.), Journalismus und (sein) Publikum (S. 275–299). Springer VS.
6 Pflichtangaben
Je Codierung: Textbeleg, Fundstelle, EBENE und EXPL (1–3) gemäss
KB-00. «Nicht codierbar» ist bei SCCT_TEXT ein eigener Wert und kein leeres Feld;
der Anteil wird im Bericht ausgewiesen. Je Beitrag die Ursachenzuschreibung (Abschnitt 5, mit «keine Zuschreibung» als eigenem Wert), bei intern oder extern zusätzlich das Attribut Stabilität (Abschnitt 5.1).
Änderungsprotokoll
| Version | Datum | Änderung |
|---|---|---|
| 2.0 | 13.08.2026 | Code-Kürzel ergänzt (im Bestand fehlten sie vollständig). SCCT-Cluster in SCCT_TEXT (Ebene 1) und SCCT_REKON (Ebene 2) aufgeteilt. Zuschreibungsniveaus entfernt – sie gehören auf Ebene 3. Sachliche Korrektur: Accident Cluster löst eine geringe, nicht «mittlere» Zuschreibung aus. Attribut EXPL und Wert «nicht codierbar» ergänzt. Definition nach Kepplinger vorangestellt. Codefamilie DESK_FOLGEN_* mit Attribut Abwendbarkeit neu – das Frame-Element «(potenzielle) Folgen» der wissenschaftlichen Dokumentation fehlte im Bogen vollständig; Abschnitt 3 grenzt es gegen die Konsequenzen in KB-F2 ab. |
| 2.0 | 16.09.2026 | Nachtrag 16.09.: Abschnitt 4.1 «Rekonstruktion des Krisenclusters» neu – Entscheidungsregel für SCCT_REKON auf die drei Werte Victim, Accidental und Preventable erweitert, Vorrangregel über ACTOR_MITVERURSACHER, Abgrenzung zum Velcro-Effekt. Grundlage für den Revisionspunkt Typzuordnung in MI-03. |
| 2.0 | 25.09.2026 | Abschnitt 4: Codierregel für SCCT_TEXT bei Drittverursachung mit Namens- oder Eigentümerbezug – das Feld bezieht sich auf die Lage der Krisenorganisation, nicht auf das Ereignis. Gleichlautender Verweis in MI-03 Abschnitt A2. Anlass: Rückprobe vom 25.09.2026. Keine Umcodierung abgeschlossener Analysen. |
| 2.0 | 26.09.2026 | Abschnitt 4: Grenze zwischen Victim und «nicht codierbar» bei Drittverursachung – Victim nur bei wertender Opferrahmung, blosse Bedrohung, Ungewissheit oder Entwarnung bleibt nicht codierbar; bei schiefer Verteilung zusätzlich die Übereinstimmung ausweisen. Anlass: Rückprobe vom 26.09.2026 (91,4 % nicht codierbar; Alpha 0,0 bei 96,8 % Übereinstimmung). Keine Umcodierung abgeschlossener Analysen. |
| 2.0 | 03.10.2026 | Abschnitt 4.1: Zeile «Entscheidungskrise» (angekündigter Entscheid ohne belegtes Fehlverhalten) mit SCCT_REKON = Accidental, nach Coombs’ Anfechtung (challenge) im Accidental Cluster; Hinweiskasten mit drei Sonderregeln – Begründungen der Organisation sind keine äussere Ursache (kein Victim), Vorwürfe gegen die Umsetzung heben den Cluster nicht (NORM_DOUBLE in KB-F2), Preventable nur bei belegtem Fehlverhalten im Entscheid selbst – und Lesart für SCCT_TEXT. Abschnitt 4: Memo Accidental entsprechend ergänzt. Abschnitt 5: Entscheid der Organisation gilt als interne Ursache. Anlass: Rückprobe Manor / Stellenabbau 2020 vom 03.10.2026, Entscheid des Auftraggebers vom selben Tag. Keine Umcodierung abgeschlossener Analysen. |
| 2.0 | 05.10.2026 | Abschnitt 4.1: Prüfpunkt «nicht codierbar bei Entscheidungskrisen» als eigener Hinweis – der Anteil im Fall Manor geht auf die Lücke vor der Sonderregel zurück und ist mit späteren Fällen nicht vergleichbar; Prüfung am nächsten Fall. Keine Regeländerung. Anlass: Rücklauf des Analysetools vom 05.10.2026, Entscheid des Auftraggebers vom selben Tag. |
| 2.0 | 05.10.2026 | Nachtrag 05.10.2026, zweiter Teil: Hinweis «Prüfpunkt» berichtigt – der Anteil im Fall Manor ging nur zu einem Teil auf die Lücke zurück (16 der 59 nicht codierbaren Einheiten), die übrigen 43 rahmen die Verantwortung nicht; «nicht vergleichbar» zu «nur bedingt vergleichbar». Anlass: Abnahme des Analysetools vom 05.10.2026 (Beleg im Methodenlauf zum Nenner von REZ-R10). |
| 2.0 | 19.10.2026 | Abschnitt 5.1 «Attribut Stabilität» neu (stabil / einmalig / offen) mit Abgrenzung gegen DESK_STRUKTUR, DESK_VERSAEUMNIS und INT_HIST; Abschnitt 6: Pflichtangabe ergänzt. Macht den Falsifikator «Rückgriffe auf frühere Vorfälle» von REZ-R02 (RW-R1) messbar. Grundlage: Schwarz (2008, 2014). Gilt ab Publikation, keine Nachcodierung abgeschlossener Fälle. Entscheid des Auftraggebers vom 19.10.2026. |
| 2.0 | 19.10.2026 | Nachtrag 19.10.2026, Rückprobe L2 (Fall Cereulid): Abschnitt 5 dreiwertig mit «keine Zuschreibung» als eigenem Wert; intern/extern erfasst den Ort der Ursache, nicht die Verantwortlichkeit (Kasten «Ort der Ursache, nicht Verantwortlichkeit»); Kritik an der Bewältigung ist keine Ursachenzuschreibung (Kasten «Ursache und Bewältigung»); gemischte Beiträge nach der überwiegenden Zuschreibung. Abschnitt 4.1: SCCT_REKON bei «keine Zuschreibung». Abschnitt 5.1: frühere Vorfälle nur derselben Art, Folgerückruf im selben Fall keine Wiederholung, zitierte Aussagen zählen mit Vermerk. Abschnitt 6 nachgeführt. Erhebungsregeln, keine Nachcodierung abgeschlossener Fälle (KB-00 Abschnitt 9). Entscheid des Auftraggebers vom 19.10.2026. |
Zitation: KMK-Analyse-System (2026): Codiersystem deskriptives Framing, Ressource KB-F1, Version 2.0. krisenkom.ch.
Verwandte Ressourcen: KB-00 · KB-F2 · KB-F6 · MI-03 · RW-R1
© 2026 mediata sa · krisenkom.ch · Drs. A. Grynko & O. Baeriswyl