Krisenmanagement und -kommunikation

Drs. A. Grynko & O. Baeriswyl


KB-F2 Codiersystem normatives Framing

KMK-RESSOURCE KB-F2

Codiersystem normatives Framing (Krisenrolle)

Ver­si­on2.0
Stand03.10.2026
Gilt ab13.08.2026
ErsetztVer­si­on 1.0 vom 22.04.2026
ModulFRAMI
Ebe­ne1 – Befund, mit einer Ver­gleichs­ach­se auf Ebe­ne 2
Gel­tungs­artMess­vor­schrift
Kon­ven­tio­nenKB-00 Codebuch-Konventionen
System­ver­si­onKMK 2.0

Mass­geb­li­che Fas­sung für KMK-Ana­ly­sen (KI-Abruf). Bei jeder Ana­ly­se live abru­fen, nie aus dem Cache.


1 Was dieser Bogen erfasst

Defi­ni­ti­on nach Kepp­lin­ger: im Text geäus­ser­te oder zitier­te Urtei­le über die betei­lig­ten Akteu­re – ethi­scher, recht­li­cher oder tech­nisch-wirt­schaft­li­cher Art, mit Anspruch auf Rich­tig­keit. Das Urteil fällt der Text, nicht die Codie­re­rin und nicht das Publikum.

2 Evaluative Urteile

CodeBezeich­nungMemoBei­spielCodier­re­gel
NORM_ORGOrga­ni­sa­ti­on verantwortlichDie Schuld wird dem Manage­ment oder Feh­lern im Haus zugewiesen.«Die SBB hat hier schlam­pig gewartet.»Fokus auf inter­ne Schuld.
NORM_DRITTEDrit­te verantwortlichDie Schuld wird exter­nen Akteu­ren gege­ben (Zulie­fe­rer, Angrei­fer, Politik).«Der Soft­ware-Lie­fe­rant ist schuld am Blackout.»Fokus auf exter­ne Schuld.
NORM_SCHICKSALSchick­sal, höhe­re GewaltNie­mand trägt Schuld, das Ereig­nis war unvermeidbar.«Gegen die­ses Jahr­hun­dert­hoch­was­ser war nie­mand gewappnet.»Ent­la­stung der Akteure.
NORM_DOUBLEDou­ble CrisisKri­tik an der Art, wie die Orga­ni­sa­ti­on die Kri­se kom­mu­ni­ziert oder löst.«Das Pro­blem ist nicht der Aus­fall, son­dern dass uns nie­mand informiert.»Mar­kiert das Ver­sa­gen des Kri­sen­ma­nage­ments. Pflicht­at­tri­but NORM_DOUBLE_TYP nach Abschnitt 5. Bei einer Ent­schei­dungs­kri­se (KB-F1 Abschnitt 4.1) fal­len auch Vor­wür­fe gegen die Umset­zung des Ent­scheids hier­un­ter – Druck auf Mit­ar­bei­ten­de, Behin­de­rung der Per­so­nal­ver­tre­tung, Umge­hung eines vor­ge­schrie­be­nen Ver­fah­rens –, mit NORM_DOUBLE_TYP = sekundär. Betrifft die­sel­be Fund­stel­le den Ent­scheid und sei­ne Umset­zung, wer­den NORM_ORG und NORM_DOUBLE neben­ein­an­der ver­ge­ben (KB-00 Abschnitt 6). NEU 03.10.2026 Nur für die Kri­sen­or­ga­ni­sa­ti­on. Kri­tik an der Kom­mu­ni­ka­ti­on eines Eigen­tü­mers, einer Mut­ter­ge­sell­schaft oder eines ande­ren Drit­ten ist kein NORM_DOUBLE; wird des­sen Schwei­gen im Bericht the­ma­ti­siert, gilt COMM_SCHWEIGER mit die­ser Instanz.
NORM_HYPO_TEXTHeu­che­lei-Vor­wurfIm Kor­pus erho­be­ner Vor­wurf, die Orga­ni­sa­ti­on ver­stos­se gegen ihre eige­nen Werte.«Immer von Nach­hal­tig­keit reden, aber dann Gift­müll vertuschen.»Nur der im Text erho­be­ne Vor­wurf wird codiert. Kein Abgleich mit den ADAM-Kernwerten.
ACTOR_MORALMoral­in­stanzWer erhebt den mora­li­schen Vor­wurf: Jour­na­lis­mus, Poli­tik, Exper­ti­se, Betrof­fe­ne, Öffentlichkeit.Eine bekann­te Umwelt­schüt­ze­rin oder eine Kundenplattform.Wer setzt den mora­li­schen Frame? Aus­prä­gung mit­co­die­ren. Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen, die aus­drück­lich für die Betrof­fe­nen spre­chen – Gewerk­schaft, Per­so­nal­kom­mis­si­on, Pati­en­ten- oder Opfer­or­ga­ni­sa­ti­on –, und ihre Ver­bands­pres­se zäh­len als Betrof­fe­ne. Das Pflicht­at­tri­but ACTOR_MORAL_STELLV hält fest, ob die Betrof­fe­nen selbst spre­chen (eigen) oder ver­tre­ten wer­den (stellvertretend); bei­de Antei­le wer­den getrennt aus­ge­wie­sen. NEU 03.10.2026

Ach­tung: War­um der ADAM-Abgleich hier ent­fällt. Lies­se man die Codie­re­rin die Wer­te­lücke zwi­schen kom­mu­ni­zier­ten Kern­wer­ten und Orga­ni­sa­ti­ons­ver­hal­ten selbst fest­stel­len, fäll­te nicht mehr der Text ein Urteil, son­dern die Ana­ly­stin – ein ethi­sches, im Gewand einer Codie­rung. Die struk­tu­rel­le Wer­te­lücke bleibt, wo sie hin­ge­hört: in ADAMs Risi­ko­fal­le TRAP_NORM_HYPO (KB-A2). FRAMI codiert nur, ob und wie oft der Vor­wurf im Kor­pus erho­ben wird – und prüft damit ADAMs Dia­gno­se an den Daten, statt sie zu wie­der­ho­len. Des­halb die Umbe­nen­nung von NORM_HYPO zu NORM_HYPO_TEXT.

3 Forderungen – präskriptive Klasse

For­de­run­gen sind kei­ne Urtei­le über Akteu­re, son­dern Hand­lungs­an­sprü­che, die sich aus dem Schuld­zu­spruch oder aus dem Wider­spruch gegen einen Ent­scheid erge­ben. Des­halb eine eige­ne Fami­lie neben den eva­lua­ti­ven Codes.

CodeWas gefor­dert wirdBei­spiel
NORM_FORD_WIEDERGUTWie­der­gut­ma­chung, Ent­schä­di­gung, Schadenersatz«Die Betrof­fe­nen for­dern vol­le Entschädigung.»
NORM_FORD_SANKTIONBus­se, Stra­fe, Ent­zug von Bewilligungen«Die Auf­sicht muss die Bewil­li­gung entziehen.»
NORM_FORD_STRUKTUROrd­nungs­for­de­rung: Pro­zes­se, Zustän­dig­kei­ten, Auf­sicht, Regulierung«Es braucht end­lich unab­hän­gi­ge Kontrollen.»
NORM_FORD_TECHNISCHtech­nisch-mate­ri­el­le Kor­rek­tur: Ersatz, Erneue­rung oder Aus­bau von Tech­nik, Infra­struk­tur, Aus­stat­tung und Kapa­zi­tät, ein­schliess­lich der Neu­auf­stel­lung einer tech­ni­schen Einheit«Die ver­al­te­te Leit­tech­nik gehört ersetzt.» · «Die Infor­ma­tik muss neu auf­ge­stellt werden.»
NORM_FORD_PERSONELLper­so­nel­le Kon­se­quen­zen: Rück­tritt, Ent­las­sung, Abberufung«Der Ver­wal­tungs­rat muss zurücktreten.»
NORM_FORD_REVISION NEU 03.10.2026Rück­nah­me, Aus­set­zung oder Unter­las­sung eines Ent­scheids der Orga­ni­sa­ti­on, ein­schliess­lich der For­de­rung, Alter­na­ti­ven zu prüfen«Die Kün­di­gun­gen müs­sen zurück­ge­nom­men wer­den.» · «Die Geschäfts­lei­tung soll auf die Schlies­sung ver­zich­ten und Alter­na­ti­ven prüfen.»

Ach­tung: Ord­nung oder Mit­tel – die Prüf­fra­ge bei NORM_FORD_STRUKTUR gegen NORM_FORD_TECHNISCH. Ver­langt der Text eine Ände­rung der Ord­nung – wer ent­schei­det, wer prüft, nach wel­chen Regeln – oder eine Ände­rung der Mit­tel – womit gear­bei­tet wird? Gegen­pro­be: Kann die Orga­ni­sa­ti­on die For­de­rung aus eige­ner Kraft erfül­len, oder braucht es dafür eine Dritt­in­stanz? Auf­sicht, Regu­lie­rung und unab­hän­gi­ge Kon­trol­le kann sich eine Orga­ni­sa­ti­on nicht selbst geben; Tech­nik und Kapa­zi­tät schon. Wo bei­des ver­langt wird – «die IT muss neu auf­ge­stellt und extern audi­tiert wer­den» –, sind bei­de Codes zu ver­ge­ben; Mehr­fach­co­die­rung inner­halb der Fami­lie ist nach KB-00 zulässig.

Hin­weis: War­um die Tren­nung nicht kos­me­tisch ist. Die bei­den For­de­rungs­ty­pen ste­hen in ent­ge­gen­ge­setz­ten Frame-Kon­stel­la­tio­nen. Eine Kon­troll­for­de­rung setzt vor­aus, dass dem Haus die Selbst­kor­rek­tur nicht zuge­traut wird – sie geht mit Pre­ven­ta­ble-Rah­mung und hoher Zuschrei­bung ein­her. Eine tech­nisch-mate­ri­el­le For­de­rung ist mit Acci­den­tal ver­träg­lich: die Tech­nik hat ver­sagt, also braucht es bes­se­re Tech­nik, ohne mora­li­schen Vor­wurf. In einem gemein­sa­men Code feu­er­te die Aus­prä­gung im Skan­dal- wie im Unfall­f­rame und ver­lö­re als Prä­dik­tor ihre Trenn­schär­fe. Für EVI sind es zudem zwei Stra­te­gie­fa­mi­li­en: die Mit­tel­for­de­rung ist mit cor­rec­ti­ve action allein beant­wort­bar, die Ord­nungs­for­de­rung ver­langt zusätz­lich Legi­ti­ma­ti­on durch Dritte.

Ach­tung: Rück­nah­me, Ord­nung oder Aus­gleich – die Prüf­fra­ge bei NORM_FORD_REVISION. Bezieht sich die For­de­rung auf einen bestimm­ten Ent­scheid, der nicht oder anders getrof­fen wer­den soll, ist sie NORM_FORD_REVISION. Ver­langt sie ande­re Regeln für künf­ti­ge Ent­schei­de – «bei Abbau­ten muss die Per­so­nal­ver­tre­tung künf­tig mit­ent­schei­den» –, ist sie NORM_FORD_STRUKTUR. Ver­langt sie, die Fol­gen des Ent­scheids abzu­fe­dern – Sozi­al­plan, Abfin­dung, Wei­ter­be­schäf­ti­gung an ande­rer Stel­le –, ist sie NORM_FORD_WIEDERGUT. Wo meh­re­res ver­langt wird, wer­den meh­re­re Codes ver­ge­ben. In einer Ent­schei­dungs­kri­se (KB-F1 Abschnitt 4.1) ist die Rück­nah­me die nahe­lie­gen­de For­de­rung; ohne eige­ne Aus­prä­gung fiel sie aus For­de­rungs­pro­fil und domi­nan­ter For­de­rung her­aus. Anlass: Rück­pro­be Man­or / Stel­len­ab­bau 2020 vom 03.10.2026, in der 16 von 33 For­de­run­gen (48,5 %) kei­nen Code fan­den. NEU 03.10.2026

Aus­wer­tungs­grös­se For­de­rungs­pro­fil: Anteil je Aus­prä­gung plus domi­nan­te For­de­rung. Was der Dis­kurs for­dert, ist der direk­te­ste im Text ver­füg­ba­re Hin­weis dar­auf, wel­che Ant­wort­stra­te­gie über­haupt akzep­tiert wird. REL_FORDERER (KB-F4) codiert, wer for­dert; NORM_FORD_* ergänzt, was. Bei­de zusam­men erge­ben das For­de­rungs­pro­fil eines Falls. Eine unbe­setz­te Aus­prä­gung wird als nicht vor­han­den (0) geführt und ist selbst ein Befund: Ein Dis­kurs, der Sank­tio­nen for­dert, aber kei­ne Instand­set­zung, hat die Orga­ni­sa­ti­on abgeschrieben.

Hin­weis: Ein Urteil kann mani­fest aus­ge­spro­chen (Ebe­ne 1, EXPL 1–3) oder latent nahe­ge­legt sein (Ebe­ne 2, DEUT_JUXTA oder DEUT_LEXIK in KB-F6). Bei­des bleibt ein Urteil des Textes.

4 Verantwortungsachse für die Kohärenzprüfung NEU 16.09.2026

Für den Abgleich mit der Typ­zu­ord­nung wird die Ver­ant­wor­tung, die der Text der Kri­sen­or­ga­ni­sa­ti­on zuweist, auf drei Stu­fen geführt. Die Stu­fen fol­gen den Zuschrei­bungs­gra­den, die Coombs den drei Clu­stern zuord­net: mini­mal, gering, stark (Coombs, 2007, S. 172).

Stu­feaus dem nor­ma­ti­ven Framing (die­ser Bogen und KB-F4)aus SCCT_TEXT (KB-F1)
starkNORM_ORG domi­nant; ROLE_SCHULDIG, ROLE_VERSAGER oder ROLE_SUENDENBOCK auf die OrganisationPre­ven­ta­ble
geringROLE_MITSCHULDIG auf die Orga­ni­sa­ti­on, oder Teil­ein­ge­ständ­nis der FahrlässigkeitAcci­den­tal
mini­malNORM_DRITTE oder NORM_SCHICKSAL domi­nant; ROLE_OPFER_NORMATIV auf die OrganisationVic­tim

Ach­tung: Die Ach­se ist kei­ne Aus­sa­ge über das Publi­kum. Sie ord­net, was der Text zuweist, und dient allein dem Ver­gleich im Revi­si­ons­punkt Typ­zu­ord­nung von MI-03 auf Ebe­ne 2. Die Aus­schluss­re­gel in KB-00 Abschnitt 8 bleibt unbe­rührt: Wie stark ein Publi­kum zuschreibt, ist REZ_ZUSCHREIBUNG in RW-R1 und bleibt auf Ebe­ne 3. Die Stu­fen tra­gen die­sel­ben Namen, damit Befund und Pro­gno­se ver­gleich­bar sind – nicht, weil sie das­sel­be messen.

Trä­ger­be­din­gung. Alle Rol­len­codes zäh­len nur, soweit sie der Kri­sen­or­ga­ni­sa­ti­on zuge­schrie­ben sind. Macht der Text einen Drit­ten zum Schul­di­gen oder zum Sün­den­bock, bleibt die Stu­fe der Orga­ni­sa­ti­on davon unberührt.

Zu den drei Grenz­fäl­len. ROLE_SUENDENBOCK steht auf der Stu­fe stark, weil der Code nach KB-F4 eine allei­ni­ge Ver­ant­wor­tung kon­stru­iert; dass er sie unter Aus­blen­dung kom­ple­xe­rer Ursa­chen kon­stru­iert, wird als Merk­mal dane­ben aus­ge­wie­sen und senkt die Stu­fe nicht. ROLE_VERSAGER steht eben­falls auf stark, weil eine nicht erfüll­te Schutz‑, Auf­sichts- oder Kon­troll­pflicht genau das Kri­te­ri­um der ver­meid­ba­ren Kri­se trifft; er mar­kiert deren unte­re Gren­ze. ROLE_OPFER_NORMATIV besetzt die Stu­fe mini­mal und ist der posi­ti­ve Beleg dafür, wo bis­her nur das Feh­len einer Zuwei­sung stand.

Nicht auf der Ach­se geführt wer­den NORM_DOUBLE und NORM_HYPO_TEXT, die dem Kri­sen­ma­nage­ment gel­ten und nicht der Kri­se; sie wer­den neben der Ach­se ausgewiesen.

Vor­rang bei Mehr­fach­co­die­rung. Mass­geb­lich ist die im Kor­pus häu­fig­ste Zuwei­sung. Bei Gleich­stand gilt die höhe­re Stu­fe – eine vor­sich­ti­ge Annah­me zugun­sten der für die Orga­ni­sa­ti­on ungün­sti­ge­ren Lesart.

Unab­hän­gig­keit der bei­den Prü­fun­gen. Die Ach­se arbei­tet mit nor­ma­ti­ven Codes, SCCT_REKON mit deskrip­ti­ven. Die bei­den Prü­fun­gen des Revi­si­ons­punkts blei­ben dadurch unab­hän­gig, und der Warn­hin­weis wird auf zwei getrenn­ten Wegen erreich­bar, nicht dop­pelt auf demselben.

Eine Zuord­nung der NORM_*-Codes zu den Clu­stern selbst fin­det nicht statt: NORM_DRITTE und NORM_SCHICKSAL wei­sen je in zwei Clu­ster, wes­halb nur die Stu­fe, nicht das Label ver­gleich­bar ist.

Hin­weis: Die Zuord­nung der Rol­len zu den Stu­fen ist eine Fest­le­gung des KMK-Systems. Weder KB-F4 noch die SCCT ord­nen nor­ma­ti­ve Rol­len den Clu­stern zu; die Zuord­nung folgt den Clu­ster­kri­te­ri­en und ist kalibrierungspflichtig.

5 Kommunikationskritik: Attribut NORM_DOUBLE_TYP NEU 19.09.2026

Jede Codie­rung von NORM_DOUBLE führt seit dem 19.09.2026 das Pflicht­at­tri­but NORM_DOUBLE_TYP mit zwei Wer­ten. Es hält fest, ob die kri­ti­sier­te Kom­mu­ni­ka­ti­on die Kri­se beglei­tet oder sie aus­ge­löst hat.

WertMemoBei­spiel
sekundärDie dou­ble cri­sis im Sin­ne von Coombs: Es gibt ein aus­lö­sen­des Ereig­nis, und die Orga­ni­sa­ti­on kom­mu­ni­ziert oder bewäl­tigt es schlecht. Die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kri­tik liegt über einer bestehen­den Kri­se.«Der Aus­fall wäre zu ver­kraf­ten – dass drei Tage lang nie­mand etwas sag­te, ist das eigent­li­che Ärgernis.»
primärDie Kom­mu­ni­ka­ti­on selbst ist das aus­lö­sen­de Ereig­nis: Kri­ti­siert wird, dass die Orga­ni­sa­ti­on über einen Sach­ver­halt etwas gesagt hat, was nicht galt oder nicht zutraf. Ohne die­se Aus­sa­ge gäbe es kei­ne Kri­se.«Nicht die Mehr­ko­sten sind der Skan­dal, son­dern dass jah­re­lang ein Fix­preis behaup­tet wur­de, den es nie gab.»

Ach­tung: Ein Code, zwei Gegen­stän­de – ohne das Attri­but nicht trenn­bar. Coombs’ dou­ble cri­sis setzt eine erste Kri­se vor­aus, über die schlecht kom­mu­ni­ziert wird. Trifft die Kri­tik die Kom­mu­ni­ka­ti­on als Aus­lö­ser, misst der­sel­be Code etwas ande­res: nicht eine zwei­te Schicht, son­dern den Kern des Falls. In der Rück­pro­be am Fall der F‑35-Beschaf­fung vom 18.09.2026 trug NORM_DOUBLE 65,2 Pro­zent der Ein­hei­ten – ein Wert, der ohne das Attri­but wie ein über­dehn­ter Code aus­sieht und in Wahr­heit ein Befund über den Fall­typ ist.

Codierregel

Ein Wert je Codie­rung, nicht je Fall. Auch in einer pri­mä­ren Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kri­se gibt es Bei­trä­ge, die nur die Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on der lau­fen­den Wochen kri­ti­sie­ren; sie tra­gen sekundär. Mass­geb­lich ist, wor­auf sich die kri­ti­sier­te Aus­sa­ge bezieht: auf den Vor­gang, der die Kri­se aus­lö­ste (primär), oder auf die Infor­ma­ti­on über einen bereits ein­ge­tre­te­nen Vor­gang (sekundär).

Lässt der Bei­trag bei­des offen, gilt sekundär. Das ist die kon­ser­va­ti­ve Zuord­nung: Sie ver­langt für den schwe­re­ren Befund einen Beleg im Text und lässt den Anteil primär eher zu klein als zu gross ausfallen.

Anschluss an die Typzuordnung

Ein Bei­trag mit NORM_DOUBLE_TYP = primär unter­stellt der Orga­ni­sa­ti­on einen ver­meid­ba­ren, weil selbst ver­ur­sach­ten Vor­gang und weist damit auf das Clu­ster Pre­ven­ta­ble. Die Ver­ant­wor­tungs­ach­se in Abschnitt 4 bleibt davon unbe­rührt: NORM_DOUBLE wird wei­ter­hin neben der Ach­se aus­ge­wie­sen, nicht auf ihr geführt. Ein hoher Anteil primär bei gleich­zei­tig mini­ma­ler oder gerin­ger Stu­fe auf der Ach­se ist jedoch ein Prüf­hin­weis für den Revi­si­ons­punkt Typ­zu­ord­nung in MI-03 und dort zu vermerken.

Hin­weis: Abgren­zung gegen NORM_HYPO_TEXT: Der Heu­che­lei-Vor­wurf sagt, die Orga­ni­sa­ti­on ver­stos­se gegen ihre eige­nen Wer­te; NORM_DOUBLE_TYP = primär sagt, ihre Aus­sa­ge über den Sach­ver­halt habe nicht zuge­trof­fen. Bei­des kann zusam­men­fal­len, ist aber nicht das­sel­be und wird getrennt codiert.

Änderungsprotokoll

Ver­si­onDatumÄnde­rung
2.013.08.2026Code-Kür­zel für NORM_ORG, NORM_DRITTE und NORM_SCHICKSAL ergänzt. NORM_HYPO zu NORM_HYPO_TEXT umbe­nannt; der Abgleich mit den ADAM-Kern­wer­ten ent­fällt und ver­bleibt bei TRAP_NORM_HYPO. Neue Code­fa­mi­lie NORM_FORD_* als prä­skrip­ti­ve Klas­se. Defi­ni­ti­on nach Kepp­lin­ger vor­an­ge­stellt. Aus­prä­gung NORM_FORD_TECHNISCH neu; NORM_FORD_STRUKTUR auf die Ord­nungs­for­de­rung ein­ge­grenzt. Damit ist die funk­tio­nal-öko­no­mi­sche Ach­se der Kon­se­quen­zen-Typo­lo­gie erst­mals eigen­stän­dig codier­bar – sie war in den vier bis­he­ri­gen Aus­prä­gun­gen nicht vertreten.
2.016.09.2026Nach­trag 16.09.: Abschnitt 4 «Ver­ant­wor­tungs­ach­se für die Kohä­renz­prü­fung» neu – drei Stu­fen nach Coombs (mini­mal, gering, stark), Zuord­nung der nor­ma­ti­ven Rol­len aus KB-F4, Trä­ger­be­din­gung, Vor­rang bei Mehr­fach­co­die­rung, Abgren­zung zur Pro­gno­se­ebe­ne. Grund­la­ge für den Revi­si­ons­punkt Typ­zu­ord­nung in MI-03.
2.019.09.2026Nach­trag 19.09.: Abschnitt 5 neu – Pflicht­at­tri­but NORM_DOUBLE_TYP zu jeder Codie­rung von NORM_DOUBLE, mit den Wer­ten sekundär (Coombs’ dou­ble cri­sis: Kom­mu­ni­ka­ti­on über eine bestehen­de Kri­se) und primär (die Kom­mu­ni­ka­ti­on ist der Aus­lö­ser), Codier­re­gel, kon­ser­va­ti­ver Zuord­nung im Zwei­fel, Anschluss an die Typ­zu­ord­nung und Abgren­zung gegen NORM_HYPO_TEXT. Anlass ist die Rück­pro­be am Fall der F‑35-Beschaf­fung vom 18.09.2026, in der NORM_DOUBLE 65,2 Pro­zent der Ein­hei­ten trug. Kei­ne Umco­die­rung abge­schlos­se­ner Ana­ly­sen; Alt­be­stän­de gel­ten als sekundär.
2.026.09.2026Abschnitt 2: NORM_DOUBLE aus­drück­lich auf die Kri­sen­or­ga­ni­sa­ti­on beschränkt; the­ma­ti­sier­tes Schwei­gen eines Drit­ten, etwa des Eigen­tü­mers, ist COMM_SCHWEIGER. Anlass: Rück­pro­be vom 26.09.2026, in der Kri­tik an der Kom­mu­ni­ka­ti­on des Eigen­tü­mers teils als NORM_DOUBLE codiert wor­den war. Kei­ne Umco­die­rung abge­schlos­se­ner Analysen.
2.003.10.2026Abschnitt 3: sech­ste Aus­prä­gung NORM_FORD_REVISION (Rück­nah­me, Aus­set­zung oder Unter­las­sung eines Ent­scheids, Prü­fung von Alter­na­ti­ven) mit Prüf­fra­ge gegen NORM_FORD_STRUKTUR und NORM_FORD_WIEDERGUT; Ein­lei­tung um den Wider­spruch gegen einen Ent­scheid ergänzt. Abschnitt 2: NORM_DOUBLE erfasst bei Ent­schei­dungs­kri­sen auch Vor­wür­fe gegen die Umset­zung (sekundär), neben NORM_ORG an der­sel­ben Fund­stel­le zuläs­sig; ACTOR_MORAL = Betrof­fe­ne schliesst stell­ver­tre­ten­de Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen und ihre Ver­bands­pres­se ein, Pflicht­at­tri­but ACTOR_MORAL_STELLV (eigen / stellvertretend). Anlass: Rück­pro­be Man­or / Stel­len­ab­bau 2020 vom 03.10.2026, Ent­scheid des Auf­trag­ge­bers vom sel­ben Tag. Kei­ne Umco­die­rung abge­schlos­se­ner Ana­ly­sen; Alt­be­stän­de gel­ten als eigen.

Zita­ti­on: KMK-Ana­ly­se-System (2026): Codier­sy­stem nor­ma­ti­ves Framing (Kri­sen­rol­le), Res­sour­ce KB-F2, Ver­si­on 2.0. krisenkom.ch.

Ver­wand­te Res­sour­cen: KB-00 · KB-A2 · KB-F4 · MI-03 · RW-R1

© 2026 media­ta sa · krisenkom.ch · Drs. A. Gryn­ko & O. Baeriswyl