Krisenmanagement und -kommunikation

Drs. A. Grynko & O. Baeriswyl


KB-00 Codebuch-Konventionen

KMK-RESSOURCE KB-00

Codebuch-Konventionen

Ver­si­on2.0
Stand16.09.2026
Gilt ab15.08.2026
Ersetztnichts – Neuanlage
ModulFRAMI (ver­bind­lich) · ADAM (sinn­ge­mäss)
Gel­tungs­be­reichalle KMK-Codier­bö­gen KB-A1 bis KB-F6
System­ver­si­onKMK 2.0

Mass­geb­li­che Fas­sung für KMK-Ana­ly­sen (KI-Abruf). Bei jeder Ana­ly­se live abru­fen, nie aus dem Cache.


1 Zweck

Die­se Sei­te ent­hält, was für alle Codier­bö­gen gilt: Schreib­wei­se der Codes, Pflicht­an­ga­ben je Codie­rung, Ebe­nen- und Expli­zit­heits­at­tri­but, Beleg­pflicht, Umgang mit Mehr­fach- und Nicht­co­dier­bar­keit, Reliabilitätsverfahren.

Vor­her stand das teils in den ein­zel­nen Bögen, teils in der Modu­linstruk­ti­on, teils nir­gends. Ein­mal geführt statt acht­mal wie­der­holt heisst: eine Ände­rung wirkt sofort über­all, und Abwei­chun­gen zwi­schen Bögen fal­len auf, statt sich einzuschleifen.

2 Schreibweise der Codes

RegelFest­le­gung
Zei­chenGross­buch­sta­ben, Unter­strich als Tren­ner, kei­ne Umlau­te, kei­ne Zif­fern am Anfang. Umlau­te wer­den umschrie­ben: DESK_VERSAEUMNIS, nicht DESK_VERSÄUMNIS.
Auf­bauPrä­fix der Fami­lie, dann spre­chen­der Bestand­teil: NORM_FORD_SANKTION.
Lang­form ist massgeblichWo Lang- und Kurz­form neben­ein­an­der ste­hen (etwa ACTOR_VERURSACHER und ACTOR_VERURS), gilt die Lang­form. Kurz­for­men sind Alt­be­stand und wer­den bei der Berei­ni­gung entfernt.
Schrei­bung im Fliesstext«Codier­bo­gen», «Codier­sy­stem», «Codier­re­gel», «codie­ren» – durch­ge­hend mit C. «Kodier­re­gel» ist Altbestand.

Präfixe und ihre Familien

Prä­fixFami­lieBogenEbe­ne
DESK_deskrip­ti­ves FramingKB-F11
SCCT_SCCT-Clu­ster (_TEXT / _REKON)KB-F11 / 2
NORM_nor­ma­ti­ve Urtei­le im TextKB-F21
NORM_FORD_For­de­run­gen (prä­skrip­tiv)KB-F21 / 2
EMO_im Bei­trag aus­ge­drück­te EmotionKB-F31
ACTOR_deskrip­ti­ve AkteursrollenKB-F41
ROLE_nor­ma­ti­ve Akteurs­rol­len (im Text zugeschrieben)KB-F41
REL_rela­tio­na­le RollenKB-F41
COMM_Kom­mu­ni­ka­ti­ons­rol­len (Spre­cher­at­tri­but)KB-F51
DEUT_laten­tes FramingKB-F62
INT_, TRAP_, FALLHOEHEKon­text­grös­senKB-A1, KB-A2Kon­text
REZ_Rezep­ti­ons­pro­gno­se und ValidierungsankerRW-R13

Ach­tung: Die Prä­fi­xe sind kei­ne Ord­nungs­hil­fe, son­dern eine Gel­tungs­aus­sa­ge.ROLE_SCHULDIG und REZ_ZUSCHREIBUNG klin­gen ähn­lich und sind grund­ver­schie­den: das eine ist ein Urteil des Tex­tes mit Text­be­leg, das ande­re eine Behaup­tung über das Publi­kum mit Evi­denz­grad. Wer ein Prä­fix falsch wählt, ver­schiebt eine Aus­sa­ge über die Dimensionsgrenze.

3 Pflichtangaben je Codierung

FeldEbe­ne 1Ebe­ne 2Inhalt
CodePflichtPflichtKür­zel gemäss Abschnitt 2
EBENEPflichtPflicht1 oder 2 – jede Varia­ble in jeder Matrix führt sie mit
Text­be­legPflichtPflicht je Indikatorwört­li­ches Zitat
Fund­stel­lePflichtAbsatz oder Zeichenposition
Indi­ka­to­ren­ket­tePflichtwel­che Indi­ka­to­ren die Deu­tung tragen
EXPLPflichtwird nicht vergebenExpli­zit­heits­grad 1–3, sie­he Abschnitt 5
Inten­si­tätnur EMO_*1–5
Rich­tungnur DEUT_*bela­stend / ent­la­stend / ambivalent

Grund­re­gel: Ohne Beleg kei­ne Codie­rung. Auf Ebe­ne 1 ent­schei­det sich eine Zuord­nung an einer benenn­ba­ren Text­stel­le. Auf Ebe­ne 2 an einer Ket­te von Indi­ka­to­ren, deren jeder einen eige­nen Beleg trägt. Eine Deu­tung ohne Ket­te wird nicht in den Bericht aufgenommen.

4 Das Ebenenattribut

Ebe­neFra­geWas ent­schei­det die Zuord­nungWider­spruch entscheidet
1 BefundWas steht im Text?genau eine Fundstellezwei­ter Codierer
2 Deu­tungWas legt der Text nahe?Kon­fi­gu­ra­ti­on des Beitragszwei­ter Codie­rer plus Dissensprotokoll
3 Pro­gno­seWie wirkt das voraussichtlich?Regel aus RW-R1die Empi­rie

4.1 Die Trennfrage

Hin­weis: Könn­te ein kom­pe­ten­ter Leser die­ser Aus­sa­ge wider­spre­chen, ohne den Text falsch ver­stan­den zu haben?

Nein → Text­aus­sa­ge. Ebe­ne 1 oder 2, kein Evi­denz­grad nötig.
Ja → empi­ri­sche Behaup­tung über Men­schen. Ebe­ne 3, mit Regel-ID, Evi­denz­grad, Kon­fi­denz und Fal­si­fi­ka­tor – und damit aus­ser­halb der Codierbögen.

Der Grund für die Fra­ge: Man­che Zusam­men­hän­ge zwi­schen Frame-Ele­men­ten sind so selbst­ver­ständ­lich, dass der Schluss sich nicht wie ein Schluss anfühlt. «Das Manage­ment hat den Scha­den absicht­lich ver­ur­sacht» ent­hält drei Aus­sa­gen, die gleich klingen:

Aus­sa­geVer­or­tungBraucht Wir­kungs­for­schung?
1Begriff­li­che Impli­ka­ti­on. «Absicht­lich» bedeu­tet zurechenbarSprach­re­gelnein
2Nor­ma­ti­ves Frame-Ele­ment. Der Text weist Schuld zu, auch ohne das Wort SchuldEbe­ne 1 oder 2nein
3Aus­sa­ge über Men­schen. Publi­ka schrei­ben in die­sem Fall fak­tisch stark zuEbe­ne 3ja

Bei 1 und 2 erfasst die Codie­rung den Zusam­men­hang tat­säch­lich mit – die Codie­re­rin tut es als kom­pe­ten­te Spre­che­rin. Bei 3 nicht. Die For­mu­lie­rung «wird ohne­hin mit­er­fasst» lässt 3 nach 1 hin­ein­rut­schen, gera­de weil 1 so evi­dent ist.

Ach­tung: War­um ein­ge­bau­te Infe­ren­zen gefähr­lich sind. Wird «hohe Ver­ant­wort­lich­keit» als laten­ter Inhalt codiert und anschlies­send die Pro­gno­se­re­gel gegen die­se Codie­rung geprüft, prüft man die Regel gegen ein Ergeb­nis, das sie selbst erzeugt hat. Die Kali­brie­rung läuft leer, die Regel kann nie falsch sein. 

Der All­tags­ver­stand ist damit nicht ent­wer­tet – er ist das Instru­ment, das laten­tes Codie­ren über­haupt mög­lich macht. Aber er ist Instru­ment und nicht Gel­tungs­grund, und des­halb relia­bi­li­täts­pflich­tig statt vorausgesetzt.

5 Das Explizitheitsattribut EXPL

Gilt aus­schliess­lich für Ebe­ne 1 und wird für jede ein­zel­ne Codie­rung vergeben.

WertBezeich­nungDefi­ni­ti­onBei­spiel
3benanntDer Frame wird an der Fund­stel­le aus­drück­lich als sol­cher bezeichnet«Das ist ein Skan­dal», «hier herrscht ein Kon­flikt»
2kon­ven­tio­na­li­siertDer Frame liegt an der Fund­stel­le in einer eta­blier­ten Meta­pher oder For­mel mit kon­ven­tio­nell fest­lie­gen­der Bedeu­tung vor«Was­ser pre­di­gen, Wein trin­ken», «Damm­bruch»
1rekon­stru­iertAn einer Fund­stel­le beleg­bar, aber nicht benannt; erschliesst sich aus der For­mu­lie­rung die­ser StelleSchuld­zu­wei­sung ohne das Wort Schuld

5.1 Abgrenzung zu Ebene 2

EXPL = 1 setzt wei­ter­hin genau eine Fund­stel­le vor­aus. Sobald sich eine Zuschrei­bung erst aus der Struk­tur des Bei­trags, aus der Quel­len­aus­wahl oder aus einer Leer­stel­le ergibt, ist es kein EXPL-1-Fall mehr, son­dern ein DEUT_*-Code aus KB-F6.

Hin­weis: Expli­zit­heit ist kein Ebe­nen­kri­te­ri­um. Das Ver­ste­hen einer eta­blier­ten Meta­pher ist bereits eine Infe­renz und funk­tio­niert nur über geteil­tes Welt­wis­sen. Umge­kehrt ist Framing durch Aus­las­sung nicht expli­zit, aber text­im­ma­nent und hoch­dia­gno­stisch. Das brauch­ba­re Kri­te­ri­um lau­tet nicht «steht es wört­lich da», son­dern: Ist die Aus­sa­ge am Text beleg­bar und von zwei Codie­rern unab­hän­gig über­ein­stim­mend zuweisbar?

5.2 Auswertung

  • Expli­zit­heits­in­dex je Frame: Anteil der Codie­run­gen mit EXPL = 3 an allen Codie­run­gen die­ses Frames.
  • Expli­zit­heits­ver­lauf: Ver­schie­bung des Index über die Zeit. Ein Frame, der von 1 nach 3 wan­dert, ver­fe­stigt sich als Deu­tungs­mu­ster – ein Früh­in­di­ka­tor, den die rei­ne Häu­fig­keits­zäh­lung nicht liefert.

Als Prä­dik­tor auf Ebe­ne 3 ist der Index mit Evi­denz­grad E3 zu füh­ren: die Annah­me «benann­te Frames ver­brei­ten sich schnel­ler» ist plau­si­bel, im KMK-Kon­text aber unbe­legt. Als deskrip­ti­ve Kenn­zahl auf Ebe­ne 1 ist er davon unberührt.

6 Mehrfachcodierung, Nichtcodierbarkeit, Intensität

FallRegel
Mehr­fach­co­die­rungInner­halb einer Fami­lie zuläs­sig, sofern der Bogen nichts ande­res sagt. Jede Codie­rung führt ihren eige­nen Beleg – eine Fund­stel­le trägt nicht zwei Codes.
Nicht codier­barEin eige­ner Wert, kein lee­res Feld. Beson­ders bei SCCT_TEXT: ein Bei­trag, der bloss Fak­ten refe­riert, ohne das Ereig­nis zu rah­men, ist «nicht codier­bar» – nicht «Vic­tim». Der Anteil nicht codier­ba­rer Bei­trä­ge wird im Bericht ausgewiesen.
Nicht vor­han­den0 – der Code trifft nach­weis­lich nicht zu. Von «nicht codier­bar» zu unter­schei­den: dort fehlt die Entscheidungsgrundlage.
Inten­si­tätNur bei EMO_*, Ska­la 1–5, ordi­nal. 0 bedeu­tet nicht vorhanden.
Abwend­bar­keitNur bei DESK_FOLGEN_*, drei­wer­tig: abwendbar, unabwendbar, offen. Codiert wird die Dar­stel­lung im Text, nicht die Ein­schät­zung der Codie­re­rin. Defi­ni­ti­on in KB-F1 Abschnitt 3.
Paywall und FragmentBei­trä­ge ohne Voll­text wer­den nicht codiert, aber im Kor­pus­be­fund gezählt und im Bericht ausgewiesen.

7 Reliabilität

Ebe­neVer­fah­renMetrik­ni­veau
1Krip­pen­dorffs Alpha, unab­hän­gi­ge Dop­pel­co­die­rung an min­de­stens 20 % des Korpusnomi­nal für DESK_*, NORM_*, ACTOR_*, ROLE_*, REL_*, COMM_*; ordi­nal für EMO_*_Int und EXPL
2Eben­falls Alpha; DEUT_* sind nomi­na­le Ja-Nein-Ent­schei­de und damit alpha-fähig. Erwar­tungs­wer­te nied­ri­ger anset­zen, Dis­sens pro­to­kol­lie­ren. Kon­sens­ver­fah­ren erst nach der Messung.nomi­nal
3kei­ne Relia­bi­li­tät – bei deter­mi­ni­sti­scher Regel­an­wen­dung tri­vi­al hoch und ohne Aus­sa­ge. Geprüft wird Vali­di­tät durch Kalibrierung.

Hin­weis: Krip­pen­dorffs Alpha ist Stan­dard, Cohens Kap­pa allen­falls nach­richt­lich. Kap­pa ist auf zwei Codie­rer und Nomi­nal­da­ten beschränkt, für die ordi­na­len Ska­len unge­eig­net und bei den vie­len sel­te­nen DESK_-Codes anfäl­lig für das Kap­pa-Para­dox: hohe Über­ein­stim­mung bei nied­ri­gem Koeffizienten.

8 Was nicht codiert wird

  • Aus­sa­gen über Publi­kums­re­ak­tio­nen. Sie sind Ebe­ne 3 und wer­den über RW-R1 erzeugt, nicht codiert.
  • Wert­ur­tei­le der Codie­re­rin. Ob das Ver­hal­ten der Orga­ni­sa­ti­on mora­lisch ver­werf­lich war, ist kei­ne Codie­rung. Codiert wird, ob und wie der Text urteilt.
  • Die Wer­te­lücke zwi­schen Anspruch und Ver­hal­ten. Sie wird in ADAM als TRAP_NORM_HYPO fest­ge­stellt. FRAMI codiert mit NORM_HYPO_TEXT nur, ob der Vor­wurf im Kor­pus erho­ben wird – und prüft damit ADAMs Dia­gno­se, statt sie zu wiederholen.
  • Zuschrei­bungs­ni­veaus im Codier­bo­gen. For­mu­lie­run­gen wie «Pre­ven­ta­ble → hohe Ver­ant­wor­tung» sind Aus­sa­gen über das Publi­kum und gehö­ren nicht in einen Bogen der Ebe­ne 1.

9 Angaben im Bericht

Codebook-Version:        KMK 2.0, KB-00 Stand [Datum]
Codierbögen abgerufen:   [Datum]
Codierung:               KI-gestützt, Modell [Bezeichnung],
                         Systemversion [x.y]
Doppelcodierung:         [%] des Korpus, Krippendorffs Alpha [Werte je Familie]
Ebene 2 codiert an:      [Vollerhebung / Teilstichprobe n = x, Begründung]
Ebene 3 durchgeführt:    [ja / nein + Begründung]

Abge­schlos­se­ne Ana­ly­sen wer­den nicht nach­co­diert. Sie wer­den im Fall­ord­ner mit ihrer Code­book-Ver­si­on und dem Stand die­ser Sei­te gekenn­zeich­net, damit spä­te­re Ver­glei­che wis­sen, gegen wel­chen Stand codiert wurde.

10 Konventionen der Verhaltenscodierung NEU 15.08.2026

Für KB-F7 gel­ten zusätz­lich zu den all­ge­mei­nen Kon­ven­tio­nen vier Anga­ben, die auf Erhe­bungs­ebe­ne zu füh­ren sind.

Anga­beAus­prä­gun­genRegel
Kor­pu­s­typMedi­en­kor­pus / Behör­den­da­ten / Platt­form­kor­pus / OrganisationsdatenPflicht­an­ga­be je Erhe­bung. Häu­fig­kei­ten dür­fen über Kor­pu­s­ty­pen hin­weg nicht ver­gli­chen werden.
Beleg­sta­tusbelegt / berich­tet / behauptetSelbst­aus­kunft ohne Kau­sal­an­ker ist höch­stens berich­tet. Der Sta­tus bezieht sich auf das Ver­hal­ten, nicht auf die Berech­ti­gung des Anlasses.
Daten­quel­leKor­pus / Orga­ni­sa­ti­on / Behör­de / Drittdatenje Codie­rung anzu­ge­ben; Behör­den­da­ten sind in Gefähr­dungs­la­gen oft die ein­zi­ge belast­ba­re Quelle.
Adres­satVer­ur­sa­cher / Bewäl­ti­gungs­in­stanz / Betrof­fe­ne / Allgemeinheitje Codie­rung anzu­ge­ben; ohne Adres­sat sind Pro­test und Loya­li­tät in Kata­stro­phen­la­gen nicht unterscheidbar.

Ach­tung: Vier Abgren­zun­gen gel­ten für jede Ver­hal­tens­co­die­rung: For­de­rung, Mei­nungs­äus­se­rung, Orga­ni­sa­ti­ons­han­deln und Behör­den­han­deln sind kein VERH_*.

11 Vom Element zum Frame NEU 16.09.2026

Die Codier­bö­gen KB-F1 bis KB-F3 erfas­sen Frame-Ele­men­te, nicht Frames. Ein ein­zel­ner Code an einer Fund­stel­le ist ein Merk­mal des Bei­trags: Er hält fest, dass eine Fol­ge benannt, eine Ver­ant­wor­tung zuge­wie­sen oder eine Emo­ti­on auf­ge­ru­fen wird. Wel­ches Deu­tungs­mu­ster der Bei­trag anbie­tet, sagt er nicht. Erst das Zusam­men­tref­fen meh­re­rer Ele­men­te ergibt ein Muster, dem eine Wir­kungs­ver­mu­tung zuge­traut wer­den kann.

Vier Ele­ment­fa­mi­li­en wer­den unter­schie­den, den vier Frame-Ele­men­ten nach Ent­man (1993, S. 52) folgend:

Fami­lieEle­ment nach Ent­manCodes
Pro­blem­de­fi­ni­ti­ondefi­ne problemsDESK_INT_SACHSCHADEN, DESK_EXT_SACHSCHADEN, DESK_OPFER_INT, DESK_OPFER_EXT, DESK_FOLGEN_INT, DESK_FOLGEN_EXT, DESK_KONFLIKT
Ursa­chen­zu­schrei­bungdia­gno­se causesDESK_INT_UNFALL, DESK_EXT_SCHICKSAL, DESK_STRUKTUR, DESK_INT_FEHLVERHALTEN, DESK_EXT_FEHLVERHALTEN, DESK_VERSAEUMNIS, SCCT_TEXT, Ursa­chen­zu­schrei­bung intern/extern
Bewer­tungmake moral judgmentsNORM_ORG, NORM_DRITTE, NORM_SCHICKSAL, NORM_DOUBLE, NORM_HYPO_TEXT
Hand­lungs­auf­for­de­rungsug­gest remediesNORM_FORD_*, DESK_LOESUNG

EMO_* tritt als Inten­si­täts­at­tri­but hin­zu, nicht als eige­ne Fami­lie. Die Fami­li­en­ta­fel ord­net die vor­han­de­nen Code­fa­mi­li­en, sie ersetzt die Frame-Defi­ni­ti­on nach Kepp­lin­ger nicht: Die Tren­nung von Dar­stel­lung und Bewer­tung, die die­se ver­langt, ver­läuft zwi­schen den bei­den ersten und der drit­ten Familie.

Grund­re­gel: Min­dest­be­din­gung. Ein Frame liegt vor, wenn in den Aus­sa­gen des­sel­ben Spre­chers inner­halb eines Bei­trags min­de­stens zwei Ele­men­te aus min­de­stens zwei ver­schie­de­nen Fami­li­en belegt sind. Ein Bei­trag kann damit meh­re­re Frames ent­hal­ten. Tritt kein Spre­cher deut­lich her­vor, gilt die Jour­na­li­stin oder der Jour­na­list als Spre­cher. Zwei Codes der­sel­ben Fami­lie – etwa zwei For­de­run­gen – bil­den ein dop­pelt beleg­tes Merk­mal, kei­nen Frame.

RegelFest­le­gung
Leit­frame und DominanzLeit­frame und Frame-Domi­nanz­in­dex wer­den nur aus Frames gebil­det. Bei­trä­ge, wel­che die Min­dest­be­din­gung nicht erfül­len, gehen in die Häu­fig­keits­aus­zäh­lung der Merk­ma­le ein, nicht in die Domi­nanz­rech­nung. Ent­hält ein Kor­pus über­wie­gend Ein­zel­merk­ma­le, wird dies als Befund aus­ge­wie­sen und nicht durch die Auf­wer­tung ein­zel­ner Ele­men­te überbrückt.
Expli­zit­heit eines FramesDas Attri­but EXPL haf­tet an genau einer Fund­stel­le. Ein Frame aus meh­re­ren Ele­men­ten erhält den nied­rig­sten EXPL-Wert sei­ner Ele­men­te, da ein Deu­tungs­mu­ster nicht expli­zi­ter belegt ist als sein schwäch­ster Beleg.
Gel­tungs­be­reichDie Min­dest­be­din­gung gilt für die Befund­ebe­ne. Auf der Deu­tungs­ebe­ne tritt an ihre Stel­le die Indi­ka­to­ren­ket­te, die eine Mehr­zahl von Bele­gen ohne­hin verlangt.

Hin­weis: Codier­hin­weis. Codiert wird von der Aus­sa­ge eines Spre­chers aus, nicht von einem erwar­te­ten Frame her. Wer mit einer Frame-Erwar­tung an das Mate­ri­al her­an­geht, fin­det sie belegt; die Rei­hen­fol­ge – Ele­ment zuerst, Muster danach – hält die Codie­rung widerlegbar.

Her­lei­tung: Völ­ker (2017, S. 172–174, 184); Min­dest­be­din­gung nach Matthes (2007, S. 152), zitiert nach Völ­ker (2017, S. 184); Frame-Ele­men­te nach Ent­man (1993, S. 52).

12 Aufbau eines Codierbogens

Ver­bind­li­ches Spal­ten­sche­ma für neue und berei­nig­te Bögen:

Spal­teInhalt
Kate­go­rieGrup­pie­rung inner­halb des Bogens
CodeKür­zel in Langform
MemoDefi­ni­ti­on in einem Satz
Indi­ka­to­renwor­an die Zuord­nung erkenn­bar ist
Bei­spieleine beleg­fä­hi­ge Formulierung
Codier­re­gelwann codiert wird und wann nicht
Abgren­zunggegen wel­chen benach­bar­ten Code, mit Kriterium

Jeder Bogen trägt aus­ser­dem den ein­heit­li­chen Kopf mit Ken­nung, Ver­si­on, Stand, Modul, Ebe­ne und Gel­tungs­art sowie ein Ände­rungs­pro­to­koll am Fuss.

13 Änderungsprotokoll

Ver­si­onDatumÄnde­rung
2.013.08.2026Neu­an­la­ge. Bün­delt die bis­her ver­streu­ten Kon­ven­tio­nen: Kür­zel­schreib­wei­se mit Vor­rang der Lang­form, Pflicht­an­ga­ben je Codie­rung, Ebe­nen- und Expli­zit­heits­at­tri­but, Trenn­fra­ge zwi­schen Text- und Publi­kums­aus­sa­ge, Umgang mit «nicht codier­bar», Relia­bi­li­täts­ver­fah­ren mit Krip­pen­dorffs Alpha als Stan­dard, Aus­schluss­li­ste, Berichts­an­ga­ben und ver­bind­li­ches Spal­ten­sche­ma. Attri­but Abwend­bar­keit für DESK_FOLGEN_* aufgenommen.
2.015.08.2026Nach­trag 15.08.: Abschnitt 10 «Kon­ven­tio­nen der Ver­hal­tens­co­die­rung» ergänzt (Kor­pu­s­typ, Beleg­sta­tus, Daten­quel­le, Adres­sat sowie die vier Abgren­zun­gen zu KB-F7).
2.016.09.2026Nach­trag 16.09.: Abschnitt 11 «Vom Ele­ment zum Frame» neu – vier Ele­ment­fa­mi­li­en nach Ent­man, Min­dest­be­din­gung (zwei Ele­men­te aus zwei Fami­li­en in den Aus­sa­gen des­sel­ben Spre­chers), Fol­ge für Leit­frame und Domi­nanz, EXPL eines Frames, Codier­hin­weis. Bis­he­ri­ge Abschnit­te 11–12 zu 12–13. Abschnitt 9: Code­book-Ver­si­on nennt den Stand die­ser Sei­te. Kei­ne Umco­die­rung abge­schlos­se­ner Analysen.

Zita­ti­on: KMK-Ana­ly­se-System (2026): Code­buch-Kon­ven­tio­nen, Res­sour­ce KB-00, Ver­si­on 2.0. krisenkom.ch.

Ver­wand­te Res­sour­cen: MI-03 (FRAMI) · KB-F1 bis KB-F6 · RW-R1 Rezeptionsregeln

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