KMK-RESSOURCE KB-F4
Codiersystem Akteursrollen
| Version | 2.0 |
|---|---|
| Stand | 05.10.2026 |
| Gilt ab | 13.08.2026 |
| Ersetzt | Version 1.0 vom 25.04.2026 |
| Modul | FRAMI |
| Ebene | 1 – Befund |
| Geltungsart | Messvorschrift |
| Konventionen | KB-00 Codebuch-Konventionen |
| Systemversion | KMK 2.0 |
Massgebliche Fassung für KMK-Analysen (KI-Abruf). Bei jeder Analyse live abrufen, nie aus dem Cache.
1 Drei Rollentypen
Der Bogen trennt, was die Instanz im Geschehen ist (deskriptiv), was ihr im Diskurs zugeschrieben wird (normativ) und in welcher Beziehung sie zur Krisenorganisation steht. Alle drei liegen auf Ebene 1: sie sind am Text belegbar.
Achtung: Normative Rollen sind nicht die Zuschreibung des Publikums.
ROLE_SCHULDIGhält fest, dass der Text Schuld zuweist. Wie stark ein Publikum zuschreibt, istREZ_ZUSCHREIBUNGauf Ebene 3 und wird überRW-R1erzeugt, nicht codiert.
2 Deskriptive Rollen EBENE 1
| Code | Memo | Beispiel | Codierregel |
|---|---|---|---|
ACTOR_VERURSACHER | Die Instanz hat das krisenauslösende Ereignis aktiv herbeigeführt oder direkt mitverursacht. | «Der Pharmahersteller liess verunreinigte Chargen bewusst in den Handel.» | Codieren, wenn eine direkte kausale Verknüpfung zwischen Instanz und Krisenereignis hergestellt wird. Mehrfachcodierung mit ACTOR_MITVERURSACHER möglich. |
ACTOR_MITVERURSACHER | Die Instanz hat durch Unterlassen, Fahrlässigkeit, Duldung oder unzureichende Kontrolle mitgewirkt, ohne Hauptverursacher zu sein. | «Die Aufsichtsbehörde hatte jahrelang keine Kontrollen durchgeführt.» | Codieren bei geteilter oder abgeleiteter Mitverantwortung. Unterschied zu ACTOR_VERURSACHER: keine direkte Handlung, sondern Versäumnis. |
ACTOR_GESCHAEDIGTER | Die Instanz hat durch das Krisenereignis nachweislich materiellen oder immateriellen Schaden erlitten. | «Die betroffenen Familien verloren ihr gesamtes Hab und Gut.» | Codieren, wenn Schaden explizit benannt wird. Optionale Subcodes ACTOR_GESCHAEDIGTER_MAT und ACTOR_GESCHAEDIGTER_IMMAT. |
ACTOR_BETROFFENER | Die Instanz steht in räumlicher, sozialer oder funktionaler Nähe zum Ereignis, ohne nachweislich zu Schaden gekommen zu sein. | «Anwohner im Umkreis von zwei Kilometern wurden evakuiert.» | Codieren, wenn Betroffenheit beschrieben, aber kein konkreter Schaden belegt ist. Nicht mit ACTOR_GESCHAEDIGTER verwechseln – dort ist der Schaden eingetreten – und nicht mit ACTOR_BEDROHTER: Betroffenheit ist Nähe zum Ereignis, Bedrohung ist Aussicht auf künftigen Schaden. Pflichtattribut ACTOR_BETROFFENER_WEG (Eigentum, Name, Sache), siehe unten. |
ACTOR_BEDROHTER | Der Instanz droht ein noch nicht eingetretener Schaden; sie ist Adressat der im Text dargestellten Folgen. | «Für die Menschen flussabwärts wird es gefährlich, wenn der Damm nachgibt.» | Codieren, wenn der Text eine künftige Gefährdung dieser Instanz benennt. Gegenstück auf der Frame-Ebene ist DESK_FOLGEN_INT oder DESK_FOLGEN_EXT in KB-F1; die Abwendbarkeit wird dort geführt, nicht hier. Kombination mit ACTOR_GESCHAEDIGTER möglich – wer bereits Schaden erlitten hat, kann zugleich weiter bedroht sein. |
ACTOR_UNBETEILIGTER | Die Instanz tritt im Diskurs auf, ohne sachliche Beziehung zum Ereignis – meist Expertise, Kommentar, externe Stimme. | «Ein Kommunikationsberater, der nicht involviert war, kommentierte das Krisenmanagement.» | Codieren, wenn im Text auf die fehlende direkte Beziehung hingewiesen wird oder die Rolle eindeutig extern-kommentierend ist. |
Weg der Betroffenheit: ACTOR_BETROFFENER_WEG
Jede Codierung ACTOR_BETROFFENER führt seit dem 26.09.2026 das Pflichtattribut ACTOR_BETROFFENER_WEG. Es hält fest, worüber die Instanz mit dem Ereignis verbunden ist. Ein Wert je Codierung; tragen mehrere Wege, gilt der im Text stärker ausgeführte.
| Wert | Memo | Beispiel |
|---|---|---|
Eigentum | Die Instanz ist über Eigentums‑, Beteiligungs- oder Konzernverhältnisse mit dem Ereignis verbunden: Sie gehört der krisenauslösenden Instanz oder hängt finanziell von ihr ab. | «Die Warenhauskette gehört zur Holding, die nun Insolvenz angemeldet hat.» |
Name | Die Verbindung besteht allein über den Namen: Die Organisation trägt den Namen der handelnden Person, oder die Presse benützt den Organisationsnamen als Etikett für eine andere Instanz. | «Der Warenhaus-Besitzer steht vor Gericht.» |
Sache | Die Instanz ist über ein gemeinsames Produkt, einen Standort, eine Lieferbeziehung oder eine andere sachliche Verflechtung betroffen. | «Auch in den Filialen der Kette wurde das zurückgerufene Produkt verkauft.» |
Arbeitsverhältnis NEU 03.10.2026 | Die Instanz ist als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer der Krisenorganisation oder als deren Vertretung betroffen: Stellenverlust, Änderungskündigung, Arbeitsbedingungen. | «Auch die Belegschaft des Logistikzentrums ist vom Umbau betroffen.» |
Hinweis: Angekündigter und vollzogener Stellenverlust. Ist ein Stellenabbau angekündigt, aber noch nicht vollzogen, sind die Mitarbeitenden
ACTOR_BEDROHTER; mit der ausgesprochenen Kündigung werden sieACTOR_GESCHAEDIGTER. Wer betroffen sein könnte, ohne dass der Beitrag eine Gefährdung beschreibt, bleibtACTOR_BETROFFENERmit WegArbeitsverhältnis. NEU 03.10.2026
Achtung: Blosse Etikett-Nennung ist keine Rolle. Erscheint die Organisation nur als Namensbestandteil – in Titel oder Lead, etwa als Beiname des Eigentümers –, ohne dass der Beitrag eine Lage der Organisation beschreibt, wird die Fundstelle mit Weg
Nameausgewiesen, aber nicht in die Rollenauswertung aufgenommen. Sonst misst die Rollenverteilung die Etikettierung durch die Presse und nicht die Betroffenheit. Anlass war eine Rückprobe vom 26.09.2026: Die Krisenorganisation war in 87,3 % der Einheiten alsACTOR_BETROFFENERcodiert; 123 Codierungen liefen über Eigentum, 57 allein über den Namen, 8 über die Sache. In 11 Einheiten war das Etikett die einzige Verbindung.
3 Normative Rollen EBENE 1
| Code | Memo | Beispiel | Codierregel |
|---|---|---|---|
ROLE_SCHULDIG | Der Instanz wird die moralische Hauptverantwortung zugeschrieben; die Wertung impliziert Absicht oder grobe Fahrlässigkeit. | «Das Management hat seine Mitarbeitenden vorsätzlich im Dunkeln gelassen.» | Abzugrenzen von ROLE_MITSCHULDIG (geteilte Verantwortung) und ACTOR_VERURSACHER (sachverhaltsbezogen). |
ROLE_MITSCHULDIG | Die Instanz trägt im Diskurs eine geteilte oder abgeleitete moralische Mitverantwortung. | «Auch der Verwaltungsrat muss sich fragen lassen, ob er seiner Aufsichtspflicht nachkam.» | Codieren, wenn Mitverantwortung durch Frage, Forderung oder Werturteil konstruiert wird. |
ROLE_OPFER_NORMATIV | Die Instanz wird als unschuldig leidend dargestellt; die Wertung impliziert Anspruch auf Schutz, Solidarität oder Entschädigung. | «Die Mitarbeitenden mussten die Fehler ihrer Führung ausbaden.» | Codieren bei Empathievokabular, Passivkonstruktionen oder expliziter Unschuldszuschreibung. Kombination mit ACTOR_GESCHAEDIGTER möglich, aber nicht zwingend. |
ROLE_SUENDENBOCK | Eine Instanz wird als alleinig verantwortlich konstruiert – unter Ausblendung komplexerer Ursachen oder anderer Mitverantwortlicher. | «Der einzige Schuldige ist der Betriebsleiter.» | Codieren bei isolierender Schuldzuschreibung ohne Kontextualisierung. Hohe Relevanz für die Diskursmacht-Analyse. |
ROLE_RETTER | Die Instanz handelt korrektiv, schützend oder aufklärend; die Wertung ist positiv. | «Die Whistleblowerin hat hunderten Patienten das Leben gerettet.» | Codieren bei expliziter positiver Handlungszuschreibung im Kontrast zur krisenverursachenden Instanz. |
ROLE_VERSAGER | Die Instanz hat eine Schutz‑, Aufsichts- oder Kontrollpflicht nicht erfüllt; die Wertung lautet Pflichtversäumnis oder Inkompetenz. | «Die Behörde hat jahrelang weggeschaut.» | Codieren, wenn Pflichtverletzung durch Unterlassen im Fokus steht. Verwandt mit ACTOR_MITVERURSACHER, aber stärker normativ. |
4 Zuschreibungsziel ROLE_ZIEL EBENE 1
Jede Codierung einer normativen Rolle führt seit dem 19.09.2026 das Pflichtattribut ROLE_ZIEL. Die Rolle hält fest, wie stark der Text zuschreibt; das Attribut hält fest, wem er zuschreibt. Es gilt ausschliesslich für die Codes aus Abschnitt 3: Die deskriptiven Rollen benennen ihre Instanz bereits, die relationalen sind ihrer Natur nach auf die Krisenorganisation bezogen.
Achtung: Ohne dieses Attribut bleibt die Verlagerung der Zuschreibung unsichtbar. Eine Organisation kann den Vorwurf von sich weisen, ohne ihn zu bestreiten – indem er auf eine frühere Leitung, eine ausführende Stelle oder auf niemanden gelenkt wird. Der Grad der Zuschreibung bleibt dabei gleich, das Ziel wechselt. Wer nur die Rolle codiert, sieht zwei Beiträge mit identischem Befund und hält den Fall für unverändert.
| Wert | Memo | Beispiel |
|---|---|---|
amtierende Leitung | Die zum Zeitpunkt der Berichterstattung verantwortliche Führung – Geschäftsleitung, Vorstand, Departementsvorsteherin. | «Der heutige Departementschef muss sich fragen lassen, warum er daran festhält.» |
frühere Leitung | Vorgängerinnen und Vorgänger, auch bereits zurückgetretene. | «Die Verantwortung liegt bei der damaligen Departementsvorsteherin und beim früheren Projektleiter.» |
Organisation | Die Organisation als Ganzes, ohne Personalisierung. | «Der Konzern hat seine Kundschaft jahrelang hingehalten.» |
ausführende Stelle | Abteilung, Amt, Tochtergesellschaft, Projektorganisation innerhalb der Organisation. | «Im Beschaffungsamt fehlte selbst das Vieraugenprinzip.» |
Eigentümer | Eigentümer, Mehrheitsaktionär, Muttergesellschaft, Holding oder Investor mit bestimmendem Einfluss auf die Organisation, ohne Organfunktion in ihr. Hat die Person zugleich eine Organfunktion, gilt der Leitungswert. | «Der Investor hat die Kette mit Schulden gekauft und die Liegenschaften herausgelöst.» |
Dritte | Instanzen ausserhalb der Organisation und ohne Eigentümerstellung: Lieferant, Behörde, Partner, Angreifer. | «Schuld sei der amerikanische Hersteller, der die Klauseln kannte.» |
Belegschaft NEU 03.10.2026 | Die Mitarbeitenden der Krisenorganisation als Gruppe, nicht als Organ und nicht als ausführende Einheit. Meist mit ROLE_OPFER_NORMATIV. | «Bezahlen müssen die Verkäuferinnen, nicht die Geschäftsleitung.» |
unbestimmt | Der Text schreibt zu, ohne einen Träger zu nennen. | «Es sind Fehler gemacht worden.» |
Hinweis:
Belegschaftsteht ausserhalb der Verantwortungsachse. Eine Rolle, die der Text den Mitarbeitenden zuschreibt, geht nicht in die Stufe der Krisenorganisation ein (KB-F2Abschnitt 4, Trägerbedingung) und zählt in den Schwellen vonKB-A2nicht als Ziel auf die Organisation. Der Wert hält fest, dass der Diskurs die Mitarbeitenden als eigene Partei führt – in einer Entscheidungskrise meist als Leidtragende des Entscheids. Anlass: Rückprobe Manor / Stellenabbau 2020 vom 03.10.2026, in der 12 von 34 Rollencodierungen ohne passenden Zielwert blieben. NEU 03.10.2026
Hinweis:
unbestimmtist ein Befund, keine fehlende Angabe. Der trägerlose Vorwurf – Passiv ohne Agens, «die Kommunikation war unglücklich» – ist die verbreitetste Form, einer Zuschreibung auszuweichen, ohne sie zu bestreiten. Wer ihn als «keine Zuschreibung» behandelt, verliert genau die Stelle, an der das geschieht.
Codierregel
Ein Wert je Codierung. Richtet sich derselbe Vorwurf im selben Beitrag an mehrere Instanzen, wird je Instanz eine eigene Rollencodierung mit eigenem Ziel vorgenommen; ein Sammelwert «gemischt» gibt es auf dieser Ebene nicht. Nennt der Text eine Instanz, die über die Kategorien hinweggreift – «die Verantwortlichen», «das Departement und seine Ämter» –, entscheidet die im Text erkennbar gemeinte Ebene; ist auch diese nicht erkennbar, gilt unbestimmt.
Leitung einer Tochter- oder Regionalgesellschaft. Die Führung einer Tochter‑, Regional- oder Landesgesellschaft ist ausführende Stelle, wenn die Krisenorganisation die Muttergesellschaft ist und der Beitrag die Tochter als ihren Teil behandelt («das Management der Tessiner Gesellschaft»). amtierende Leitung ist nur die Führung der Krisenorganisation selbst. Ist die Tochter selbst die Krisenorganisation – das legt ADAM bei der Fallbestimmung fest –, gilt ihre Führung als amtierende Leitung. NEU 03.10.2026
Massgeblich ist der Wortlaut des Beitrags, nicht das Organigramm. Ob eine genannte Person tatsächlich noch im Amt ist, wird aus dem Beitrag und dem ADAM-Kontext entschieden und bei Abweichung im Codierprotokoll vermerkt.
Handlungskontext bei Leitungszielen: ROLE_ZIEL_KONTEXT
Lautet ROLE_ZIEL auf amtierende Leitung oder frühere Leitung, führt die Codierung seit dem 25.09.2026 zusätzlich das Pflichtattribut ROLE_ZIEL_KONTEXT. Es hält fest, ob der Vorwurf ein Handeln in Ausübung der Leitungsfunktion betrifft oder ein Handeln ausserhalb davon. Seit dem 26.09.2026 gilt es auch für den Zielwert Eigentümer: «in Ausübung» ist dort das Eigentümerhandeln gegenüber der Krisenorganisation – Erwerb, Finanzierung, Liegenschafts- und Konzernstruktur –, «ausserhalb» das übrige Geschäft des Eigentümers. Bei den übrigen fünf Zielwerten entfällt es.
| Wert | Memo | Beispiel |
|---|---|---|
in Ausübung | Der Vorwurf betrifft Entscheidungen, Unterlassungen oder Verhalten der Person in ihrer Funktion für die Krisenorganisation, beim Eigentümer sein Handeln als Eigentümer dieser Organisation. | «Als Konzernchef hat er die Warnungen der Qualitätssicherung übergangen.» |
ausserhalb | Der Vorwurf betrifft Handeln in einer anderen Rolle – privat, in einer anderen Organisation, in einem Amt ohne Bezug zur Krisenorganisation. Diese ist im Text nur über Name, Eigentum oder Person präsent. | «Der frühere Firmenchef soll als Präsident eines Vereins dessen Gelder veruntreut haben.» |
unbestimmt | Der Text lässt offen, in welcher Rolle gehandelt wurde. | «Gegen den Firmengründer werden schwere Vorwürfe erhoben.» |
Achtung: Namensträger-Lage. Trägt die Organisation den Namen einer Person, der ein Handeln ausserhalb ihrer Funktion vorgeworfen wird, erfüllt eine Codierung
ROLE_SCHULDIGauffrühere Leitungden Wortlaut einer Leitungszuschreibung, ohne dass die Organisation gehandelt hat. OhneROLE_ZIEL_KONTEXTliest die Prognose daraus einen Integritätsbruch der Organisation (REZ-R08inRW-R1). Anlass war eine Rückprobe vom 25.09.2026: 35 von 134 Beiträgen schrieben der früheren Leitung Schuld oder Versagen zu (ROLE_SCHULDIG,ROLE_VERSAGER), keiner davon für ein Handeln in der Organisation.
Hinweis: Eigentümerlage. Die gleiche Verwechslung droht, wenn der Vorwurf den Eigentümer trifft. Vor dem 26.09.2026 fiel er unter
Dritte, undROLE_ZIEL_KONTEXTentfiel – gerade dort, wo die Unterscheidung trägt. In einer Rückprobe vom 26.09.2026 betrafen von 26 Zuschreibungen von Schuld, Mitschuld oder Versagen an den Eigentümer 15 sein Handeln ausserhalb der Eigentümerrolle, 5 sein Handeln als Eigentümer der Krisenorganisation (Erwerb, Liegenschaftsstruktur); 6 blieben unbestimmt.REZ-R08inRW-R1berücksichtigt den Eigentümer nur mit dem Kontext «in Ausübung».
Hinweis: Mitschuld der heutigen Organe: Kenntnis vermerken.NEU 05.10.2026 Wird der amtierenden Leitung oder der Aufsicht
ROLE_MITSCHULDIGzugeschrieben, hält der Beleg fest, ob der Text Kenntnis behauptet («wusste davon und liess es geschehen») oder nur ein Versäumnis («hätte es wissen müssen»). Davon hängt ab, obREZ-R08inRW-R1greift (Duldung in Kenntnis). Ein eigenes Attribut ist das nicht; der Vermerk steht im Beleg.
Hinweis: Mitbelastung ohne Rollenzuschreibung hat keinen Code.NEU 05.10.2026
ROLE_ZIEL_KONTEXTist ein Attribut einer Rollencodierung, kein eigener Code. Wird eine Instanz im Text nur in die Nähe des Vorwurfs gerückt – erwähnt, befragt, ohne Frage, Forderung oder Werturteil zu ihrer Verantwortung –, wird keine Rolle codiert und das Attribut nicht vergeben. In der Rückprobe Raiffeisen Schweiz / Vincenz 2018 vom 05.10.2026 war das Attribut 14-mal ohne Rolle als Marker für Mitbelastung verwendet worden. Ob es dafür einen Kontextmarker braucht, bleibt bis zu einem zweiten Fall offen.
Aggregation auf die Beitragsebene
Das Zuschreibungsziel des Beitrags ist das Ziel der stärksten normativen Rolle, in der Reihenfolge ROLE_SCHULDIG, ROLE_MITSCHULDIG, ROLE_VERSAGER. Tragen zwei verschiedene Ziele dieselbe höchste Rolle, lautet der Beitragswert gemischt. Die Kreuztabelle Rolle × Ziel bleibt das eigentliche Ergebnis; der Beitragswert ist eine abgeleitete Grösse für den Zeitverlauf.
Achtung:
ROLE_ZIELerfasst, wen der Text adressiert, nicht wen das Publikum verantwortlich macht. Das Attribut liegt auf Ebene 1 und ist am Text belegbar. Die Publikumszuschreibung bleibtREZ_ZUSCHREIBUNGauf Ebene 3 und wird überRW-R1erzeugt, nicht codiert.
5 Relationale Rollen EBENE 1
| Code | Memo | Beispiel | Codierregel |
|---|---|---|---|
REL_KONTROLLEUR | Institutionelle Kontroll‑, Aufsichts- oder Regulierungspflicht gegenüber der Krisenorganisation. | «Das Bundesamt wäre für die Zulassung verantwortlich gewesen.» | Codieren, wenn die Kontrollfunktion benannt oder impliziert wird. Relevant für Verantwortungsausweitung über die Krisenorganisation hinaus. |
REL_FORDERER | Die Instanz stellt öffentliche Forderungen an die krisenbetroffene Organisation. | «NGO und Betroffenengruppen fordern lückenlosen Schadenersatz.» | Codieren bei expliziten Forderungen. Unterschied zu ACTOR_MORAL: hier die Handlungsdimension, dort die moralische Urteilsfunktion. Ergänzt NORM_FORD_* in KB-F2. Interne Forderer mitcodieren: Personalvertretung, Fachabteilung oder Belegschaft, die öffentlich Forderungen an das eigene Haus richten, machen eine Bruchlinie in der Organisation sichtbar. Analytisch mit NORM_DOUBLE zusammen zu lesen. |
REL_VERTEIDIGER | Die Instanz stellt sich schützend vor eine andere Instanz, meist die Krisenorganisation. | «Der Verbandspräsident wies die Kritik als übertrieben zurück.» | Codieren bei erkennbarer aktiver Schutzfunktion. Häufig bei Branchenverbänden, Anwaltschaft, politischer Unterstützung. |
REL_KOMPLIZE | Die Instanz profitiert von der Krisenursache oder hat ein Interesse an deren Fortbestand. | «Der Zulieferer wusste von den Mängeln, schwieg aber.» | Codieren, wenn Interessenidentität mit der krisenverursachenden Instanz hergestellt wird. Bei bloss impliziter Interessenidentität Ebene 2 prüfen. |
6 Bemerkungen
ROLE_OPFER_NORMATIV ist bewusst von ACTOR_GESCHAEDIGTER getrennt: die normative
Opferkonstruktion im Diskurs ist eine andere analytische Kategorie als die faktische Schädigung. Diese
Unterscheidung war im Bestand bereits angelegt – die Systemversion 2.0 verallgemeinert sie auf alle Bögen.
Hinweis: Kurzformen sind aufgehoben. Frühere Fassungen führten Lang- und Kurzform nebeneinander (
ACTOR_VERURSACHERundACTOR_VERURS). GemässKB-00gilt ausschliesslich die Langform; die Kurzformen sind aus Memos und Codierregeln entfernt.
Hinweis: Die Rollen dieses Bogens sind zugleich die Ausprägungen des Pflichtattributs Träger in
KB-F7Codiersystem Folgeverhalten. Jede Codierung vonVERH_*nennt die Anspruchsgruppe, die das Verhalten zeigt, alsACTOR_*oderREL_*: «Kunden wenden sich ab» und «Investoren steigen aus» sind verschiedene Krisen.
Änderungsprotokoll
| Version | Datum | Änderung |
|---|---|---|
| 2.0 | 13.08.2026 | Kurzformen aus Memos und Codierregeln entfernt; gemäss KB-00 gilt ausschliesslich die Langform. ROLE_OPFER_NORM zu ROLE_OPFER_NORMATIV vereinheitlicht. Abgrenzung der normativen Rollen gegen die Zuschreibung auf Ebene 3 ergänzt. Querverweis von REL_FORDERER auf NORM_FORD_* aufgenommen. Deskriptive Rolle ACTOR_BEDROHTER neu, als Gegenstück zur Codefamilie DESK_FOLGEN_* in KB-F1; Abgrenzung von ACTOR_BETROFFENER geschärft. Bei REL_FORDERER die Codierung interner Forderer ergänzt. |
| 2.0 | 15.08.2026 | Hinweiskasten mit Querverweis auf KB-F7 (Rollen als Ausprägungen des Trägerattributs von VERH_*) ergänzt. Website am 15.08. direkt beschrieben; Quelle am 31.08.2026 nachgeführt. |
| 2.0 | 19.09.2026 | Neuer Abschnitt 4: Pflichtattribut ROLE_ZIEL zu jeder normativen Rollencodierung, mit sechs Werten (amtierende Leitung, frühere Leitung, Organisation, ausführende Stelle, Dritte, unbestimmt), Codierregel, Aggregationsregel auf die Beitragsebene und Abgrenzung gegen REZ_ZUSCHREIBUNG. Anlass ist die Rückprobe am Fall der F‑35-Beschaffung vom 18.09.2026: Die Zuschreibung verlagerte sich dort von der amtierenden auf die frühere Departementsleitung, ohne dass sich ihr Grad änderte – eine Verschiebung, die ohne Zielattribut unsichtbar bleibt. Abschnitte 4 und 5 zu 5 und 6 umnummeriert. |
| 2.0 | 25.09.2026 | Abschnitt 4: Pflichtattribut ROLE_ZIEL_KONTEXT (in Ausübung / ausserhalb / unbestimmt) für die Zielwerte amtierende und frühere Leitung, mit Warnkasten zur Namensträger-Lage und Verweis auf REZ-R08. Anlass: Rückprobe vom 25.09.2026, in der die Zuschreibung an die frühere Leitung ausschliesslich Handeln ausserhalb der Organisation betraf. Keine Umcodierung abgeschlossener Analysen; Altbestände gelten als unbestimmt. |
| 2.0 | 26.09.2026 | Abschnitt 4: siebter Zielwert Eigentümer (bestimmender Einfluss ohne Organfunktion), Dritte auf Instanzen ohne Eigentümerstellung eingeschränkt; ROLE_ZIEL_KONTEXT gilt auch für den Eigentümer, mit Hinweis zur Eigentümerlage. Abschnitt 2: Pflichtattribut ACTOR_BETROFFENER_WEG (Eigentum, Name, Sache); blosse Etikett-Nennung ohne beschriebene Lage wird ausgewiesen, aber nicht als Rolle ausgewertet. Anlass: Rückprobe vom 26.09.2026 an einer Eigentümerkrise (KI-gestützt, orientierend). Aus derselben Rückprobe der Prüfauftrag B9 zu ACTOR_VERURSACHER (KI-KI-Doppelcodierung, 31 Einheiten): Die geltende Auslöseregel – einmal je Akteur und Beitrag an der ersten erkennbaren Fundstelle (Variante A) – bleibt; sie erreichte Alpha 0,818 auf Beitrags- und 0,808 auf Fundstellenebene, die Alternative B 0,657 und 0,594. Die Prüfung zu ACTOR_MORAL (Muster 3) war nicht trennscharf und bleibt für einen Fall mit mehr Moralinstanzen offen. Keine Umcodierung abgeschlossener Analysen. |
| 2.0 | 03.10.2026 | Abschnitt 4: achter Zielwert Belegschaft (Mitarbeitende als Gruppe), ausserhalb der Verantwortungsachse und der Fallenschwellen; Abgrenzung amtierende Leitung gegen ausführende Stelle bei Tochter- und Regionalgesellschaften. Abschnitt 2: vierter Weg Arbeitsverhältnis für ACTOR_BETROFFENER_WEG; Hinweis zu angekündigtem (ACTOR_BEDROHTER) und vollzogenem Stellenverlust (ACTOR_GESCHAEDIGTER). Anlass: Rückprobe Manor / Stellenabbau 2020 vom 03.10.2026 (12 von 34 Rollencodierungen ohne Zielwert; Alpha ROLE_ZIEL 0,497, Dissens an der Grenze Leitung / ausführende Stelle). Keine Umcodierung abgeschlossener Analysen. |
| 2.0 | 05.10.2026 | Abschnitt 4: Hinweise «Mitschuld der heutigen Organe: Kenntnis vermerken» (für REZ-R08, Duldung in Kenntnis) und «Mitbelastung ohne Rollenzuschreibung hat keinen Code». Keine Umcodierung abgeschlossener Analysen. Anlass: Rückprobe Raiffeisen Schweiz / Vincenz 2018 vom 05.10.2026. |
Zitation: KMK-Analyse-System (2026): Codiersystem Akteursrollen, Ressource KB-F4, Version 2.0. krisenkom.ch.
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